The Hans Christian Andersen Center

Dato: 16. juli 1848
Fra: H.C. Andersen   Til: Carl Alexander
Sprog: tysk.

62 Andersen an Carl Alexander

Kopenhagen 16 Juli 1848

Auf Fhnen, wo ich beinahe sechs Wochen war, habe ich Ew: Koniglicher Hoheits Schreiben empfangen; wie liebevoll und schn ist es, da Sie mir ein sichtbares Zeichen geben, da Sie meiner gedenken. Gott segne Sie dafr! Sie sind oft und innig in meiner Gedanken!

In Kopenhagen konnte ich es nicht aushalten; in dieser Spannung und Unruhe war es mir unmglich meinen neuen Roman zu vollenden; mein englischer Verleger wollte ihn durchaus in September drucken laen; ich mute mir also eine ruhige Heimath verschaffen, um mich in mich selbst einschlieen zu knnen. Ich begab mich nach Fhnen, an den alten Grafen Molltke; in seinem Sch(l)o in der ungestrte Wald-Einsamkeit bin ich so frei wie in einem htel und habe es so heimisch wie in einem Familienkreise; in dieser schnen Natur und bei diesem ruhigen Leben, habe ich meinen Roman vollendet. Dieser wird unter dem Titel: "De to Baronesser," (die zwei Baroninnen) erst, und zwar, wie ich hoffe, in September in England im Druck erscheinen; ich werde Ew: Knig: Hoh: gleich ein Exemplar von der englischen Ausgabe zustellen, denn / ich wei nicht, wenn (soll heien: ob) die Umstnden seiner Erscheinung in deutsche Sprache gestatten wollen. Der Roman enthlt mehrere comische Scenen; der Schlu athmet Frieden und Freude! Wird die Welt wohl glauben da dies in der Nhe des Kriegs Schauplatzes geschrieben ist? - Es waren wohl einige Tage, am welchen es mir nicht mglich war, meine Gedanken an meine Dichtung hin zu lenken, Tage, an welchen ich ber die Insel hin Kanonendonner hrte, und wo ich wohl wute, da hier eine Bataille war, aber nicht, ob nicht irgend einer von meinen Bekannten oder gar Freunden seiner Tod da gefunden hatte. Ach, der Krieg ist ein furchtbares Ungeheuer!

Auf dem moltkeschen Gute war ber 100 Mann Einqvartirung von unseren Truppen; spter kamen die Schweden. Mit den Officieren unterhielt ich mich ber die - Dichtkunst; sie kannten meine Schriften. Vor acht Tagen ging ich wieder nach Seeland, da besuchte ich das Schlo Basns am groen Belt, eine so eben in alter Styl aufgefhrte (aus: aufgebaute) Ritterburg, mit Thrmen und Brcken von Eisengu, das Innere aber mit allem Comfort der jetzigen Zeit eingerichtet. Da wohnen zwey junge Eheleute; das kam mir vor wie ein Mhrchen. Von hier flog ich nach Sor, wo der Dichter Ingemann in wahrer klsterlicher Einsamkeit wohnt, wo Holberg, d: danisch: Moliere, begraben liegt. Hier sammelte und / ordnete ich die letzten Kapitel von meinen Roman, und dieser wird jetzt in Kopenhagen bersetzt.

Hier bleibe ich einen Monat, mit Ausnahme einige kleinen Excursionen, zum Beispiel nach Malm, wo der Knig Oscar mit seinen Prinzen sich zur Zeit aufhlt. Mit dem Dampschiffe bin ich da in weniger als zwei Stunden. Vielleicht mache ich auch eine kleine Ausflucht nach der "Trollhtta". - In diesem Jahre gehen alle Wege nach Norden! wann werden sie wieder nach Sden gehen, wann sehe ich Sie, innig gelieb(t)er Frst und Freund? Vielleicht niemals! Das habe ich mir nicht gedacht, als wir auf der Eisenbahn bei Weimar uns Lebewohl sagten. Ach wie Vieles ist seit der Zeit geschehen, wie Vieles wird nicht in kurzer Zeit geschehen knnen! Doch dankbar werde meiner Sie erinnern (soll heien: ich mich Ihrer erinnern), in meiner Todesstunde will ich Ihre Augen, Ihren Hndedruck erinnern. Gott mache Sie glcklich! - Es drckt mein Herz wenn i(ch) daran denke da ich Sie nie wiedersehen sollte - - ich will nicht daran denken. Und hiermit: Lebe wohl! Lebe wohl!

Mchten unsere nchsten Briefe ber Lnder fliegen wo der Frieden wohnt, wo die Menschen das Gute verstehen! -

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Gott erfreue und segne Sie, hoher Herre! Ihr treu ergebenster

H.C. Andersen

Tekst fra: Ivy York Mller-Christensen