The Hans Christian Andersen Center

Dato: 13. januar 1848
Fra: H.C. Andersen   Til: Carl Alexander
Sprog: tysk.

54 Andersen an Carl Alexander

Kopenhagen 13 Januar 1848.

Mein theurer Erbgroherzog!

Als Neujahrs Gru habe ich Eur: Konigl: Hoheits liebes Brieflein empfangen! Sie sind immer so herzensgut, gleich beim Empfang des Ahasverus, haben Sie geschrieben; jetzt bringe ich meinen Gru, so warm und treu wie ein Herz ihn bringen kann, Gott erhalte Sie, theurer, lieber Freund! - Die Gesammt-Ausgabe meiner Schriften, 30 Bande, hoffe ich sind in Ihrem Besitz; lesen Sie die kleine Gedichte; einige kennen Sie schon, aber nicht alle, und durch diese kennen Sie erst mein lyrische Stadium; auch das Verslein an den kleinen Prinz Carl-August, finden Sie darinn, so wie meine jugenliche erotische Schmerzen. - Leider knnen solche Gedichte nicht wiedergegeben werden! - Auch der Mulatte hoffe ich Ihre Konigl: Hoheit haben gelesen und da der nehmliche, hat den Herr von Ziegesar so angesprochen, da derselbe, durch diese Interesse, das Drama auf die weimarische Bhne bringen wird, es sollte mir eine groe Freude sein, wenn ich hrte es war gegeben und hatte Beifall gewonnen. Wenn Eur: Konigl: Hoheit mich wieder mit einem Brieflein erfreut, da sagen Sie mir, was Sie von mei(nen) letzt(en) Sach(en), lyrisch(en) und dramatisch(en), geles(en) haben, und wie es Ihnen ansprach, aber ohne Rcksicht. -

Ich komme eben vom Lande, Weinachten habe ich bei dem Finanzminister Moltke zugebracht; es sind liebenswerdige Leite; wir waren alle gewhnlich(en) Mittage 33 am Tische, und bei einem groen Ball, mehr / als zwei hundert; es wechselte mit Bllen, Komedien, und (eingefgt: und) Jagd; es war wie in einem Weinachtsmhrchen in den Tannenwldern: Schnee, Grnes und Sonnenschein. Die danische Ausgabe des Ahasverus ist, wegen der Idee und der strengen Form im Ausdruck, welche leider nicht im Deutschen (gestr.: ist) wiedergegeben ist (eingefgt: ist), sehr gnstig aufgenommen, man betrachtet diese Dichtung als ein Wendepunkt in meinem Dichterleben. Heiberg, hat mich eine Vesitte gemacht und aufgemuntert einen zweiten Theil zu schreiben; die neue Mhrchen, welche zum Weinachten kamen heraus in London, gebe ich spter an Lorck in Leipzig, und dann, sobald das Bchlein ist Deutsch geworden, kommt es, natrlich gleich an Sie, mein hoher, theurer Herr. - Der Knig ist krank, ich bin sehr in Unruhe deswegen! Ihre konigl: Hoheit wissen, wie lieb ich ihn habe; es ist, glaube ich, eine Krankheit im Herzen, das Blut strmt ihm so snell dazu, und er kann davon pltzlich sterben, wenn er nicht gleich zuadergelassen wird; nach d(er) letzten Aderlassung hat er im Arm die Rose bekommen, und Fieber; heute hre ich, ist es weit besser, Gott erhalte ihn fr Dnemark! er ist klug, edel und gut, wer ihn kennt mu ihn lieben. -

Wir liegen Allen jetzt wie eingefroren, die Posten kommen nicht mehr regelmssig; der "groe Belt" ist mit Treibeis; Alles friert, wir erwarten, der Sund wird bald eine Eisbrcke, und die Schweden, zu Fu und auf Schlitten, machen uns Vesette; wundervolle Nortlichter blitzen in der Nacht; blaue und rothe Flammen leuchten den Himmel entlang, aber der Tag ist kurz, man kommt wie vo(m) Bette zum Mittagstische. - Ernst ist in Kopenhagen und / giebt Konserte, er ist sehr von den Damen beliebt, neulich traf ich ihm bei der Prinzessin Juliane, wir sprachen ber Weimar und ber Sie mein lieber theurer Erbgroherzog; Ernst glaubte da Liszt war diesen Winter in Weimar, ich glaube es nicht. -

Von Jenny Lind habe ich nur, ein Gru durch einen Reisenden, sie schreibt gar nicht, aber ich wei sie denkt an die Freunde; sie ist mit wahrer Begeistrung in Stockholm aufgenommen, man bezahlt sogar mehr als 50 Thaler preusisch fr ein Nummerplatz; zweimal in die Woche trit sie auf fr drei mal erhhte Preise, aber ihre ganze Einnahme giebt sie hin fr eine neue Stiftung, "Jenny Lind-Schule," wo tugendhafte junge Mdchen, begabt mit Talent fr Gesang und Theater, werden aufgenommen. Es ist sehr edel und der Lind wrdig; wie neidisch die Menschen sonst sind, wie der Glhwurm, wie Gthe singt, immer von Krte wird angespeit, sahe ich in Beziehung auf die Lind, neulich in der stockholmer Zeitung; jemann htte vorher, recht dum, ein Vergleich mit Gustav Adolf und Jenny Lind gemacht, und jetzt kam ein boshaftes Gedicht ber die fortrefliche Lind, worinn stand, Gustav Adolf lebte fr Jahrhunderte, aber die "Mamsel" nur fr "ein Abend!" - So ist die Welt.

Darf ich hoffen Ihre konigliche Hoheit bringen mir im gnadigste Erinnerung bei der Frau Erbgroherzoginn und den konigl: Eltern; darf ich auch ein Gru bestellen an Grfinn Beust, Freulein von Kloc(h), wie auch an Baron v Maltitz, Schll und Eckermann; ich denke so oft an die Lieben in Weimar, das Land ist mir beinahe, ein Stck Vaterland geworden. / Freuen Sie mich bald mit einem Brieflein und bleiben Sie mir im neuen Jahre gut, wie in die vergangen(en). Und nun Gott segne Sie! Ihr Knigl: Hoheits treu ergebener

H.C. Andersen

Tekst fra: Ivy York Mller-Christensen