Dato: 17. november 1860
Fra: Friederike Serre, f. Hammerdörfer   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Dresden den 17. November 1860

Theuerster Freund!

Sie zogen fort und nur die Erinnerung an die so schönen, von Ihnen uns gegebenen Stunden, verblühen. Dank für Ihr Kommen, Dank für jeden Beweis von treuer Freundschaft! Wäre es nur ruhiger im Haus gewesen und nicht mein Mann so ganz eingenommen in seinen Geschäften,daß er für alles andere keinen Sinn, ja keine Zeit haben konnte. Sie sehen, welchen Einfluß dieses große Unternehmen auch auf meine Ruhe hat, und welche Störungen, Unannehmlichkeiten und Sorgen es auch über mich verhängt! -

Sonnabend 11 Uhr im alten Galeriegebäude, in dem größten Salon wurde der 1. Gewinn gezogen von 2 Waisenknaben. Der Polizeipräsident, und der Rat, der Oberbürgermeister und der 2.der Hauptvereinsmitglieder als Abgeordneter des Gr.Herzogs, Herr von Schober, als Abgeordneter des Schillerkomitees, Dr.Gutzkow waren gegenwärtig und Minister von Bunt(?). Gutzkow hielt eine wahrhaft ergreifende Rede worinnen er warm den Dank an meinen Mann, an die Behörden und den Gr.Herzog aussprach! -

Die Nummer wurde so sofort an den Gr.H. telegrafiert. Ein armer Müller bei Bielefeld in Herfurt hat die Villa, die er natürlich verkaufen wird. Obgleich ich selbst darauf reflektiere, so fürchte ich werden 10 Andere mir zuvorkommen, und für einen enormen Preis sie wegkaufen. - Wie schön, wenn Sie dort 8 Tage am Fuße der Wartburg bei mir verweilten, doch leider gewiß ein vergebliches Streben und Wünschen.

Denken Sie, schon 2 Personen, denen Sie hier begegneten, werden Sie nicht wiedersehen. Fürst Linar Ihr Theaternachbar, ist vom Schlag getroffen, gestorben, und hat 800 000 Taler an die Witwe seines Sohnes vermacht, die keine Kinder hat, und früher eine leichte Tänzerin war, weder seiner Schwester noch seinem Bruder, die eine große Kinderfamilie, haben geerbt!- Dann die geistreiche Frau von Cosetzky, die Sie das 1. Mal bei mir lesen hörte. Sie war so dankbar dafür, erfreute sich so daran, selbst Schriftsteller in. Sie hatte sich unglücklicherweise diesen Abend erkältet und eine Lungenentzündung hat solche traurigen Folgen gehabt, - daß man ihrer Auflösung entgegen sieht.

Mir wieder ein schwerer Verlust, sie war mir sehr befreundet, und besaß alle Vorzüge des Geistes und Herzens,die sie lie¬benswert machten. -

Auch liegt Graf Hohenthal-Königsbrück im Sterben, Sie wissen, wie innig ich seit langen Jahren mit ihnen im herzlichen Um¬gang stand. Ein edler großmütiger, oft selbstvergessen wohltätiger Mann. Es schmerzt mich tief.

Gestern kam plötzlich Frau v.Berge zur Stadt, sie hatte eine telegr. Depesche von ihrem Bruder aus Magdeburg bekommen, seine Frau läge lebensgefährlich krank, nach einem heftigen Blutsturz - sie krieselte die Nacht dahin!- Ach,diese Hiobsposten lasten recht schwer auf meiner Seele! - Auch betrübt mich der melancholische Hauch in Ihrem Briefe !Durch das Wiedersehen Ihrer Vaterstadt angeregt! -

Wohl strömen wir fort im Strom des Lebens der alles verschlingt, was uns Wert-bis auch wir das Ziel erreicht! -

Aber wer so Größtes Herrliches erfahren, wie Sie - wer seine Größe sich selbst und Gottes Gnade zu verdanken hat - hat nicht umsonst gelebt. Denken Sie an die Worte unseres Königs &Leben Sie noch recht lange zum Segen der Menschheit, denn Sie wirken Gutes mit Ihren Schriften!& und darum sei Heiterkeit in Ihrem Gemüthe! -

Beikommenden Brief, senden Sie wohl der Baronin Stampe. Eliza Moltke hat einen recht traurigen Brief aus Paris geschrieben - es sei ihr, als hätte sie zum 2ten Mal eine Tochter verloren, der Schmerz gleiche dem früheren um Bertha! Schon die Wunde hat man, sahen Sie Harald Moltke und seine Frau, sind B. Stampes schon in Kopenhagen? Ich huste viel und sehne mich nach Frühjahr, warmer Luft und Ems. Behüte Sie Gott Von Allen tausend Grüße!

Ihre Fr.Serre

[Randnotiz:] Warum haben Sie nicht diesen Winter einmal in Dresden verlebt?

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