Dato: 13. maj 1859
Fra: Friederike Serre, f. Hammerdörfer   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Dresden,Freitag l3.Mai 1859

Teuerster Freund!

Wohl war es mir traurig, daß unter den 22 Briefen,die man mir am 28.Apri1 auf meinen Geburtstagstisch gelegt, gerade Ihre lieben Schriftzüge fehlten, und als die lieben Bekannten frag­ten nun hat Andersen und was hat er geschrieben, wird er kommen ?? ich sagen mußte - nein, aber ich weiß, er denkt an diesem Tag an mich und hierher! Es sind ja auch nur unwesentliche Zeichen der Freundschaft, und diese wäre mir nicht die Wahre, legte ich darauf allen Wert! - Ich kränke mich nur über eine Stelle in Ihrem Briefe, &Sie wollten nicht alle Jahre kommen, man könnte müde davon' werden. Kennen Sie uns wirklich, nach einer so langen Rei­he von Jahren noch so wenig! Fühlen Sie denn nicht, daß Ihre Gegenwart uns immer die Festtage schafft, auf welche wir uns von Monat zu Monat freuen?

Nun vielleicht führt der Herbst Sie erfrischt, der neuen Ein­drücke voll, noch zu uns! - Ich kann nur freudig einstimmen, daßSie eine so interessante nordische Reise machen wollen. - Gott wird Sie ja dabei schützen und behüten. - Neues, Unbekanntes, Frisches, wie Frühlingsgrün, werden Sie dann dem Leser in Ihrer gewohnten, anregenden Schilderungen vorführen, nur Sie ver­mögen das derart zu schildern! wir wissen kaum mehr von Ita­lien, von dem Süden von Frankreich - und von England, lesen von Amerika selbst immer Wiederholungen, Sie allein finden Neues, Steigendes! - Vielleicht bringt auch einmal eine Brief­taube von dort mir eine Nachricht - und welche Freude dann! Ich möchte auch so wie Sie dem ewigen Hören und Lesen der ab­scheulichen Politik entgehen, der Falschheit, ihr ist ja nichts heilig. Ich habe entsetzliche Kämpfe mit Eliza Moltke jetzt gehabt. Harald steht in Piemont sie ist in Verzweiflung darüber, will ihm nachreisen und mit größter Mühe ist es mir gelungen, sie von dem doch ganz unzweckmäßigen Schritt zurück zu halten. Sie liebt mich wahrhaft, hat Vertrauen zu mir. Kommt oft 2 Mal des Tages, und spät Abend noch vorgefahren, und so kann ich versöhnend und beruhigend wirken, denn sie ist sehr böse, daß der Graf ihrem Wunsch nicht nachgekommen, Harald vorigen Som­mer schon, als noch nicht an Krieg zu denken war, aus der ös­terreichischen Armee herausgenommen!

Wem in der Welt immer der Glücksstern erleuchtet, wer alle, auch die kleinsten Wünsche erfüllt sah - erträgt schwerer eine ernste Prüfung. Haralds Briefe von dort, sind glückselig, kampflustig, Jugendübermütig, er ist Prem.Leutnant geworden, und gesund und frisch bei diesen Strapazen! Auch der Hofrätin Falkenstein Sohn, Oskar steht am Ticcino. Der älteste Sohn Hugo, der aus Ame­rika zurückgekommen, hat sich nach einem Aufruf an Civilisten zum Militär einzutreten, um bald die fehlenden Offizierstellen zu besetzen, gemeldet, und ist angenommen worden. Es mag doch nicht in Amerika mit seinem Fortkommen länger gegangen sein. Wissen Sie, daß Frau von Bock (die Schröder-Devrient) hier ret­tungslos krank liegt, an galoppierendem inneren Krebs? Jetzt ist ihr Mann herbei gerufen worden!

Auch ich bin an der Grippe über 3 Wochen schon krank gewesen und im Fieber, und noch habe ich Halsentzündung - deshalb darf ich bei der kalten Witterung nicht nach Maxen jetzt übersie­deln, bis warmer Sonnenschein kommt! Er wird mir wie die Ge­birgsluft stärken und erquicken und so Gott will, mit Freuden in Gottes schöner Natur aufatmen!

­Sie wissen, daß Clara Heinke als Gesellschaft zur Baronin Finks, Freundin der Baronin Stampe kommt und so erst 2 Monate in Dres­den bleibt, und die Morgen bis 3 Uhr frei hat, und malen kann, dann nach Sulza, in ein Salinenbad, bei Weimar mit ihr geht - und gefallen sie sich, einen längeren Aufenthalt bei ihr erwarten darf! ­ Den Carl Andersen, der ein so getreuliches Andenken an mich be­wahrt, wie ich kaum gedacht, bitte grüßen Sie herzlich - und sei­nen Brief hätte mir Sigwald am 28. April richtig in die Hände gelegt!- Sigwald wird wohl die Gräfin überall hin begleiten, wo sie zu reisen gedenkt. Auch der Wladimir hat ihnen viel Är­ger gemacht, wie Sie wissen, und ihm auf dem Meere herum schau­keln zu müssen, beunruhigte sie sehr! - Jerichos werden sich wohl bei der Gräfin melden - und durch sie auch, hoffe ich, sie kennen zu lernen.

Der Großherz. v. Weimar hat sich ein aristokratisches Künstler­comite gebildet, das er in seinen engsten Kreis aufgenommen, zum Ärger der übrigen, Älteren Bu.. die eine ernstere Richtung verfolgen! ­

Schreiben Sie mir ja, ob Sie keinen Reise Gesellschafter mit­nehmen, was doch sehr nötig und zweckmäßig dorthin wäre, und wann? -

Liszt ist völlig mit Dinge1stedt entzweit, für 2 Jahre auf Ur­laub, eben ist er mit der Fürstin und ihrer Tochter durch Dres­den gegangen. Dadurch soll das Theater besonders die Oper sehr gelitten haben. Zur aristokr.Künstlerakademie gehört in Weimar Graf Kalkreuth, und ist mit 1000 Talern zugleich Kammerherr, v. Witte, mit Versprechen auf 1000 Taler Ankauf von Gemälden, Genelli (?) mit 400 Talern und Atelier und Wohnung v.Binger desgl Graf Hurach, Baron Schlichter, alles Künstler, die am Hof geladen werden. Hammer ist Professor geworden, und halten die Älteren wieder zusammen!

Frau von Goethe ist auch in Triest, Ulrike in Weimar, Wolf recht elend und kränklich aus Italien zurückgekehrt.

Doktor Kühnens sind für 2 Monate nach Brüssel und Paris. Baron Stamberg geht auch dahin für 1 Jahr! - Denken Sie mit Frau v. Sternberg Zöllner bessert es sich. Ich werde gleich auf der Karte Ihre Reise verfolgen. So leben Sie wohl, wir Alle grüßen Sie innig, behüte Sie Gott.

[Weitere Randnotiz:] Hammer hat das Feuilleton der Constitunelle aufgegeben und kränkelt sehr.

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