The Hans Christian Andersen Center

Dato: 31. december 1851
Fra: H.C. Andersen   Til: Carl Alexander
Sprog: tysk.

Kopenhagen 31 December 1851.

Mein theurer, hoher Freund!

Die geschmckten Weihnachtsbaume haben schon ihren Schmuck verloren, die bunten Lichter sind erloschen und noch ist kein Weihnachtsbrief von mir nach dem lieben Weimar hingeflogen. Ich bin aber in diesem ganzen Sptherbst unwohl gewesen; die Nebeldecke ber unsere Inseln macht den Sinn schwer, und ich mag nur schreiben mit Sonnenschein im Herzen.

Einer meiner alten treuen Freunde, Graf G. Moltke-Hvidtfeldt, ist nun todt; auf seinem reichen Schlosse, in der schner Waldeinsamkeit habe ich fast jhrlich mehrere Monate zugebracht; die alten Freunde verlassen uns almhlig. Aber eben deswegen sollte man an den Jngeren festhalten! Ja wohl, das wre das Richtige, man thut es aber nicht immer aus: immer nicht. Ich wei, ich bin treu im Herzen, meine Seele und meine Gedanken verweilen bei meine Freunden, wenn sie in der Ferne sind, und doch schreibe ich nicht genug an sie; so auch hier, mein edler, hoher, theurer Freund! Von dem alten Jahre in das neue hinein reiche ich Ihnen die Hand mit den besten Wnschen fr Sie und die Ihrigen in der schnen Heimath. Wills eingefgt: s Gott, da sehen wir uns in knftigen Sommer, ich sehne mich so unendlich danach; o, welch ein Festtag fr mich, wenn wir uns wieder begegnen. Eine ganze Epoche in der Weltgeschichte ist eingetreten, seitdem wir uns auf Ettersburg sahen.

Mitte April, gehe ich nach Nord-Italien und komen wieder nach Deutschland anfang Juli! - Mein neuestes dramatisches Gedicht: "Fliedermtterchen", wird, hoffe ich, gleich / nach diesem Briefe in deutscher Uebersetzung an Ew. Knigliche Hoheit gelangen. Mein Buchhandler, Lorck in Leipzig, hat den Auftrag ein Exemplar gleich abzusenden, so wie eins an den Kammerherren Beaulieu; einige Bemerkungen hinsichtlich der Auffhrung will ich beischlieen, denn ich glaube, das Stuck pat fr jede deutsche Bhne. Hier in Kopenhagen ging es in drey Wochen 13 Mal ber die Scene; bei der ersten Vorstellung waren die Meinungen getheilt; das Phantastische knnte nicht gleich Jedem klar stehen; nun aber findet es ungetheilten Beifall. Mehrere von unseren Dichteren haben diese kleine Dichtung lieb gewonnen, so wie Hauch, Boye, Ingemann, ja unser strenger Kritiker Heiberg hat mir sogar seine Freude ber diese Arbeit schriftlich bezeugt. Mchte es nun in Deutschland eben so gut aufgenommen werden.

Ueber meinen eigenen Begebenheiten in dem letzten Jahre, ist doch eine, welche ich meinem theilnehmenden Freunde mitzutheilen vergessen habe; eigentlich ist es aber auch etwas ziemlich Unwesentliches: ich bin vor einigen Monathen zum Professor ernannt. In diesem Winter bin ich fast immer in meiner Stube, und habe nur ein Par Mal in die groe Salon-Welt hin ein geguckt, nmlich in einem Koncert bei der verwittweten Koniginn und am Weihnachtsabend in einer dramatischen Vorstellung beim Landgrafen. Man gab ein deutsches Schauspiel: Einer muss heiraten! in welchem die Prinzein Augusta von Hessen die alte Tante ganz vortrefflich spielte; danach ein franzsisches von Scribe: Lhritire, in welche d: Professor Abrahams, Mons: du Chesne de Bellecourt und die Prinzeinn die Rollen gaben. Ich hatte eine lange Unterredung mit dem Prinzen Friederich von Hessen, der sich mit Freude seines Aufenthalts auf / Wartburg erinnerte und mir einen Gru von Ew: Konigl: Hoheit bragte.

Unser genialer und berhmter Komponist Gade hat drei von meinen Gedichten in Musik gesetzt; das eine: die Schneekniginn ist eine auserordentliche gelungenen Arbeit, und es wird den besten Kompositionen dieser Art, z. B. dem "Erlkonig" zur Seite gestellt. Ich will diese Komposition mitnehmen, wenn ich nach Weimar komme; doch erst mu der Sonnenschein kommen, und mit ihm der Storch, die Schwalbe und die grnen Baume; dann blhen die Linden bei Ettersburg; ich habe noch davon einen blhenden Zweig, den mir Ew: Konigl: Hoheit in dem ersten Jahre unserer Bekanntschaft berreichten. Und jetzt: den Gru meines vollen Herzen an Sie meinen hohen Herren und Freund an die hohe Frau Gemalinn und die K. H, die Eltern - saa soll heien: dann auch an Jeder, der meiner freundlich gedenckt. Ihr Konigl: Hoheits treu ergebener H.C. Andersen

Tekst fra: Ivy York Mller-Christensen