The Hans Christian Andersen Center

Dato: 3. januar 1851
Fra: Carl Alexander   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

86 Carl Alexander an Andersen

Weimar den 3 Jan. 1851.

Endlich, lieber Freund, wieder ein lebenszeichen von Ihnen, seit langer, langer Zeit wieder das Erste! Warum laen Sie fast eine ganze Erdumdrehung (aus: Weltumdrehung) zwischen jeden Ihrer briefe stattfinden? Ist es um mir die Einwirkung Oersteds Werke auf Sie deutlich zu machen? Und doch mu das Studium der Natur Ihnen lehren, da der Geist der Gte und liebe Alles umgiebt und durchstrmt; Sie aber sind weder gtig noch liebevoll wenn Sie, wie die bilder Aegyptens, Sich fr Ihre Freunde in ewiges Stillschweigen hllen. An diesen Angriff knpfe ich nun ebenso lebhafte Wnsche fr Ihr Wohl in dem neuen Jahr als fr die Aenderung Ihres epistolaren Systems. Mchten meine Wnsche mit gutem Erfolg gekrnt werden. - Oerstedts Werk ist mir noch nicht bekannt, doch hre ich so viel Auerordentliches von demselben, da ich mich angetrieben fhle es zu lesen. Schon der Kosmos hat mich unendlich ergriffen und doch enthlt er so Vieles was ich nicht verstehe; bei Oerstedt soll dieselbe / Groartigkeit der Anschauung mit verstndlicherer Form verbunden, vorhanden sein. In dem zweiten Theile des Kosmos sind herrliche Naturbeschreibungen den Kirchenvtern entlehnt, die ich, rcksichtlich Ihrer Einwirkungen auf mich, mit jenen zu Naturtypen gewordenen Gemlden Roussins und Claudes vergleichen mu. Jene wie diese geben mir eigenthmliche Stimmungen denen ich viel Genu verdanke. Hierbei nun knnen Sie Sich denken mit welcher Neugierde ich den bewei derjenigen Einwirkung erwarte, welche auf Sie diese Studien gemacht haben mssen und wovon Sie mir den bewei in Ihrer neusten Schrift: "in Schweden" versprechen. Die Form die Sie in Ihrem Briefe whlen um mir die Versicherung zu geben: Sie wrden das menschliche Herz nicht fr die Natur, im Allgemeinen, verlaen, ist so poetisch und schn wie das beste Ihrer Mrchen. Auch glaube ich Ihnen gern und freudig, da Sie dem "Herzen" treu bleiben werden, das Ihrige ist viel zu eloquent als da es nicht am liebsten in seinem Element sich bewegte. Einen neuen, schnen Bewei des soeben Gesagtem geben Sie durch die Verse auf Oerstedt deren Uebersetzung sie mir / berliefert. Der Anblik Gottes, die Aspiration zum hchsten, ist der Culminationspunkt des Studiums, also des Erkenntnies seiner Schpfung. Mit Recht daher verflochten Sie diese hchste Aspiration in das Lob Ihres Freundes. - Indem ich (aus: Nach allen) berzeugt bin und wei, da Sie neben der Allgemeinen Natur nicht die besondere in derselben, den Menschen, vergessen werden, mchte ich Sie antreiben diesen auch so zu behandeln, wie das Allgemeine von obengenannten Meistern es wurde. Sie haben einzelne Eigenschaften, gute und bse in Mrchen, Sie haben Situationen und Zustnde in Novellen, Romanen, Stcken (eingefgt: Stcken) und Gedichten trefflich gezeichnet; warum wrden Sie nicht auch versuchen eine Reihe characteristischer Bilder aus dem leben in einer Folge isolirter Scenen z.b. darzustellen, die den leser zu einer Anschauung der menschlichen Natur verhlfe, die wie der Wahrheit Spiegel ihm vor die Augen trte. Wenn Sie nun hiebei die Erfahrungen, die reichen, die trben, dieser beiden letzten Jahre benutzten, so mten diese Portraits des lebens unsterbliche Denkmler der Wahrheit, der Natur werden. Ich habe schon oft gedacht mich selbst daran zu machen, ich fhle mich dazu gedrngt, wre es nur um die wunderbaren Erscheinungen (ber gestr.: Erfahrungen) zu benutzen und aufzubewahren, welche in unendlichster Flle, seit 2 Jahren / besonders, mich umdrngen. - Die Novelle von Clara Massow mu ich lesen; ich begreife da Sie dieselbe indiscret finden, allein die Indiscretion ist mehr wie etwas Anderes eine Eigenthmlichkeit der Zeit. - Ja Sie haben Recht nach dem Sden ziehen zu wollen! Ach wer da mit knnte! Doch schon Weimar ist fr Sie sehr sdlich und so trste ich mich bei dem Gedanken da wir fr Sie ein Stck Sden sind. - bereden Sie doch Jerichau in meinen Namen auch ber Weimar zu kommen. Ich habe ihm Viel zu zeigen, namentlich die vortreffliche Statue Geefs: der Geist (soll heien: Genius) des Bsen, den meine Frau besitzt (wie wunderlich dies klingt) und die prchtigen Zeichnungen von Raphael, Leonardo, Michel-Angelo pp. die uns aus dem Haag in unsere Hnde gekommen sind.

leben Sie wohl und empfangen Sie die Gre meiner Eltern wie meiner Frau. - Gedenken Sie meiner in alter Freundschaft. Ihr treu ergebener Freund CA

Tekst fra: Solveig Brunholm