The Hans Christian Andersen Center

Dato: 16. maj 1850
Fra: H.C. Andersen   Til: Carl Alexander
Sprog: tysk.

81 Andersen an Carl Alexander

Kopenhagen 16 Mai 1850

Mein edler, theurer Erbgroherzog! Wenn ich einen Brief von Ihnen bekomme, und immer gleich nachdem ich zu Ihnen geschrieben habe, rhrt es mich tief; in jeder Zeile fhle ich die Pulsschlge Ihres Herzes. Das Sie, in der Mitte der reichen Abwechselungen eines Hofes und wahrscheinlich mit einer weitleuftigen Korrespondenz beschftigt, meiner immer so liebevoll gedenken und mir das zeigen, dies ist was ich in meinem stillen Sinne bewahre, das verleiht unserer Freundschaft eine ewige Jugend. Ja, ich habe die Ueberzeugung, da bei alle wechselnden Gestaltungen des Lebens, Sie, meiner theurer hoher Freund, mir immer gut bleiben werden, so wie ich mich Ihnen mit meiner ganzen Seele anschliee. Ach, knnte ich Sie nur bald wiedersehen, wie in alten Zeiten! ja, die alten Zeiten, und es sind doch nur wenige Jahren vorbergegangen seit dieser meiner schnsten Zeit. Mchte Gottes Segen / und Frieden ber den Menschen ruhen! Knnte ich nur hinausfliegen! Wie sehne ich mich danach. Fr diesmal beschrankt sich meine Ausflucht auf Dnemark. Der Wald ist grn, die Sonne scheint. Im Pfingsten bleibe ich bei Ingemann (der Dichter) in der stillen walddunklen Sor, da wo Holberg lebte; von da fliege ich nach Jtland und nach meinem gewhnlichen Sommerbesuch bei dem alten Excellenz Grafen Moltke, der mich mit vterliche Liebe umfat; da lebe ich frei gemthlich, kann wie es mir beliebt kutschiren, lesen und dichten.

Wenn Eur: Konigliche Hoheit mich mit einem Briefe beglcken wollen, bitte ich Sie ihn unter gewhnlicher Adresse an Sr Excellenz den Geheimenrath Collin in Kopenhagen zu senden; er wei immer, wo ich bin.

Unsere Gemlde Ausstellung ist in diesem Jahre reich und anziehend; mahlerische danische Bauerwohnungen mit Leben und Laune, die jtlndischen Heiden mit dem blhend(en) Haidekraut im Sonnenschein, echt dnische Bilder vom Kriegsschauplatze, dnische Walder mit Licht- und Schatten-Pracht, und kleine poetische Genre-Bilder. Jerichau hat uns "Adam und Eva" (Gruppe) gegeben. - In der skandinavischen Gesellschaft hrten wir echt nordische Musik, in Musikverein Mendelsohns und Gades Kompositionen. Das Theater brachte viel neues: Psyche Ballet von Bournonville, Tragedien von Hauch

und Bredal - u. a, m.

Aber nun zieht der Frhling den groen Vorhang / auf: die Buchenwlder sind die Koulisen, die Sonne ueberstrahlt das Lampenlicht. Wre nur das Sommerdrama: Friede und gute Zeiten! Gott segne Sie, mein theurer hoher Freund.

Ihr Konigl: Hoheit innig ergebener

H.C. Andersen

Tekst fra: Ivy York Mller-Christensen