The Hans Christian Andersen Center

Dato: 7. marts 1850
Fra: H.C. Andersen   Til: Carolina, Lina von Eisendecher
Sprog: dansk, tysk.

Kopenhagen 7 Mrtz 1850

Liebe Fau von Eisendecher!

Dank und abermals Dank fr Ihre Theilnahme und unvernderte Freundschaft, da Sie mir geschrieben haben, ohngeachtet meines langen Stillschweigens, das ich mir selber nicht erklren kann; denn ich darf die Hand aufs Herz legen und getrost versichern: Sie und die Ihrigen waren und sind fast tglich in meinen Gedanken. Ich bin aus der Gewohnheit gekommen meine Gedanken in Briefen hereinzuschicken, der eine Tag ging nach dem andern, immer dachte ich, jetzt kommt die Friedensbotschaft und dann lasse ich die Brieftaube fliegen mit dem grnen Oelblatt der Freude. Mein Herz ist ganz dnisch, in Dnemark bin ich eingewurzelt; allein mit grten Liebe schliee ich mich an viellieben Menschen in Deutschland, dieses Land, wo man mir mit Aufmunterung und Gte entgegenkam; und darum werden Sie, die Sie meine Persnlichkeit kennen, eine Begriff davon haben, was und wie ich gelitten. Genug davon! Die Sonne wird wieder scheinen! /

Ich htte gleich geschrieben als Ihr Brief kam, wre ich nicht so beschftiget gewesen bei den Proben auf meinen neuen dramatischen Mhrchen: ale Lukoie, es ist nun gegeben und hat groen Anerkennung gefunden. Bei der ersten Auffhrung erlebte ich, was nur wenige Verfaer an einem Abend erlebt haben. Das Poetische in meiner Arbeit wurde von dem Publicum gar nicht verstanden und whrend des ersten und zweiten Acts betrug es sich wild, gar rauh - allein auf einmal im dritten Act klrte es sich auf vor ihnen, allmlig wurde man still, aufmrksam, und endlich drckte sich die Anerkennung in ungetheiltem Beifall und tiefer Bewegung; dieselbe Anerkennung haben die spteren Vorstellungen in hohem Grade gefunden. Die deutsche Uebersetzung wird bald erscheinen und dann will ich Ihnen das Mhrchen schicken; ich hoffe da es bei den meisten deutschen Bhnen aufgenommen werden wird. Whrend man in einen Buch vielleicht nur zehn Menschen anredet, spricht man von der Bhne vor hunderten; von dieser Kanzel klingt, in Ole Lukoie die Rede lauter und eindringen: Gesund und wohlgemuth das ist mehr als aller Reichthum! - Ein armer Schornsteinsfegergeselle, ein Sohn des Volkes sagt dem Volke, da derjenige der glcklichste ist, der in seiner Stellung zufrieden ist.-

Ich habe durch meine Volcks Komedie, meine Absicht erreicht alle Klassen, die Arbeiter und die Noblesse ans Volkstheater zu sammeln; alle die fremden Botschafter waren auch dabei Ole Lukoie und bei Mehr als Perlen und Gold, mein vorletzte Mhrchen-Komedie.-

Vorigen Sommer bin ich in Schweden bis Finmarken gewesen! berall bin ich so herzlich und liebevoll empfangen; es macht gutt; die Menschen sind herzensgut, mann sollte nie streiten, nein einander kennen lernen und - lieben! - Auch die Knigliche Familie in Stockholm war so liebevoll und herzlich, ich war mehrmals eingeladen, der Dichter, Kammerherr Bekow, mein treuer Begleiter. -

Oehlenschlger, wissen Sie, ist gestorben, er verschied an loten Januar, am Sterbetage Christian des 8ten an derselben Stunde des Abends! Er wohnte dicht am Schloe; es war seltsamm fr mich, nach der Schlo er Fenstern hinzuschauen und daran zu dencken wie ich hier vor zwei Jahren in Angst fr meinen lieben Knig Christian umherwandelte und jetzt ging ich wieder besorgt fr einen Knig, ein Dichter-Knig; der kleinen Nordsterns Orden, welchen Oehlenschlger selbst getragen hatte, gab er mir vorigen Jahre; ich habe da eine schne und bleibende Erinnerung. Das Volk trug ihm zu Grabe, alle Klassen, Beamte, Studenten, Matrosen, Soldaten schloen sich dem Zuge zu und trugen den Sarg, eine halbe Meile, nach Friedrichsberg, da hin wo er geboren wurde und wo er wnschte begraben zu werden. Ich gebe Ihnen, liebe Frau von Eisendecher, ein Uebersetzung im Prosa, von meinen Lied: von den Wallen Koppenhagens als der Leichenzug die Stadt verlie.

Lebewohl, Du groer Snger des Nordens,

Hinaus nach deiner Heimath geht der Zug;

Eine hbsche Allee zum Kirchhofe:

Ein Volk in Trauer steht dem Weg entlang

Nach Friedrichsberg! Da stand deine Wiege,

Des Geistes Lampe strahlte reich da;

Da soll ber dich das Grab sich schlieen;

Deine Wanderung ist ein Schnheits Gedicht.

Gottes Licht in dir wurde des Geistes Eigenthum,

Theil von uns selber, und immer unser.

Lebe wohl! ruhe sanft! Bereit ist deine Bett,

- In Thrnen stirbt das Wiegenlied hin.

Leb wohl, leb wohl! - Nun weint der Norden,

Den Du verstanden, Du besungen hast,

So da die Helden-Zeit wieder aus der Erde stieg,

Ihr Herz schlug, ihre Schilder klangen.

Wie die Frhlings Wind ber die Wellen,

So frisch, so gesund kam der Gesang.

Dein Lied war dl).isch, wie der Buchenwald,

Und nordisch, wie des Nordlichts Pracht.

Leb wohl, du grter Snger Nordens,

Hinaus nach deiner Heimath geht der Zug;

Eine hbschle Allee zum Kirchhofe,

Ein Volk in Trauer steht den Weg entlang.

Oehlenschlger tod, Thorwaldsen tod, - Kriege - Wolken von Pulverdampf! ach wie vieles verndert! - die schne Zeiten sind vorber! wird neue schne wiederkommen! - ach gren Sie doch herzlich, innig den lieben Her Gemahl, er ist Minister geworden, habe ich in die Zeitungen geleen; ist's wahr? Mein Gru, mein besten! Die Kinder sind wohl? Carl und Gustave denken kindlich gut noch an Freund Andersen; ach wann sehen wir uns wieder. Gren Sie auch Jerndorffs; bringen Sie mein Dank fr das Bild; Frau von Jerndorff hat mir gtigst gedacht und der liebe Verstorbener Portrt zugesant; wie freundlich und gut! -

Ist Karl Beaullieu noch in Weimar und Alexander in Heidelberg? Ich habe neulich an Alexander geschrieben aber noch kein Antwort. Bei die hohe Herschaften in Oldenburg, der Groherzog, Erbgroherzog und knigliche Schwester bitte ich Sie mich in gndigst Erinnerung zu bringen. Die Freunde in Oldenburg und Bremen schicke ich Gre und Hndedruck, und nun Lebe wohl, Gott erfreue und segne Sie! schreiben Sie bald; recht bald! Bleiben Sie mir doch immer gut!-

Ihre innig ergebener, treuer Freund

H. C. Andersen

Tekst fra: Se tilknyttet bibliografipost

Kjre Fru von Eisendecher!

Tak og atter tak for det sandt Beviis paa Deres Deres Deeltagelse for mig, deres uforandrede Venskab, at De skrev; uagtet min lange Taushed, den jeg ikke selv kan forklare, thi jeg tr sige det, med Haanden paa Hjertet, De og Deres Kreds er og var nsten daglig i mn Tanke! jeg kom ud af at bringe mine Tanker ind i Breve og sende disse af sted, den ene Dage jog den anden, og altid tnkte jeg nu kommer Freds-Budskabet og saa skal Brev-Duen flyve med hele Gldens grnne Olieblad. Mit Hjerte er ganske danske, jeg har Rod i Danmark, men med den strkeste Kjrlighed hnger jeg mange kjre Mennesker i Tydskland, det Land hvor jeg har mdt Erkjendelse, Opmuntring og Godhed, og derfor vil De, som forstaaer min Taksomlighed[!!] vide hvad jeg har stille lidt og gjennemgaet med mig selv. Nok derom! Solen / skinner nok igjen! Jeg havde skrevet strax da Deres Brev kom, men jeg var midt i Theater-Prver paa mit nye dramatiske Eventyr, som nu er bragt paa Scenen og vundet stor Erkjendelse. Jeg oplevede frste Aften, hvad faae Forfattere opleve i een Aften. Publicum forstod aldeles ikke det poetiske i hele mit Arbeide og i frste og anden Act, blev Massen, der var 2500 Tilskuere meer og meer vild, ja noget raa, pludselig i tredje Act gik Ideen op for dem, der blev Stille, Opmrksomhed og med jublende Bifald og dybt bevgt gav man mit Arbeide al Erkjendelse, som nu i hi Grad efter de nste Forestillinger adledes det. En tydsk Oversttelse kommer snart og da skal de have Eventyret, som jeg venter vil gaae over de fleste tydske Theatre.

Tekst fra: Solveig Brunholm (microfilmscan 13, 708-09)