The Hans Christian Andersen Center

Dato: 29. oktober 1849
Fra: H.C. Andersen   Til: Carl Alexander
Sprog: tysk.

75 Andersen an Carl Alexander

Kopenhagen 29 October 1849.

Mein lieber, theurer Erbgroherzog! Sie sind jetzt wieder von Holland zurckgekommen, meine Gedanken drfen wieder auf dem heimischen Ettersburg, bei Ihnen, mein hoher Freund, verweilen. Fr Ihren letzten liebevollen Brief, fr die vielen frheren, die ich bewahre, meinen herzlichen Dank. Auch ich habe jngst eine kleine Ausflucht gemacht, nmlich nach Fhnen, und dann eine grere, nmlich nach dem Lande der Dichtung; und dort war ich, wie in dem Venus-Berge, von der brigen Welt getrennt und eingeschlossen, nicht einmal eine Brieftaube konnte ich an meine Lieben abgehen lassen.

In diesem Frhjahr schrieb ich eine Volks-Komedie: "Mehr als Perlen und Gold", eine Art Bearbeitung des Raimundschen: "Der Diamant des Geisterknigs", und der Geschichte in "tausend und einem Nacht"; aber ich habe daraus ein ganz neues und dnisches Stck gemacht mit meinen geistigen Blut und Fleisch, ein Andersensches dnisches Mhrchen; auf unsere Volksbhne, ist es nun 10 Mal in den letzten drei Wochen und jedesmal fr circa 2500 Zuschauer gespielt. Ich habe dabei meine Absicht erreicht alle Klassen, die Arbeiter und die Noblesse an diesem Orte zu sammeln; alle die fremden Botschafter waren auch da, und das giebt einen guten Ton, wie ich berhaupt /

glaube da mittelst der bunten Lustigkeit die poetische Idee auch fr die Volksmasse wird aufgehen knnen.

Die erste Vorstellung: "Mehr als Perlen und Gold" gab mir gleich eine neue Idee zu einen anderen Arbeit, einen dramatischen Mhrchen, vielleicht einem meiner besten Arbeiten. Ich habe gleich - das ist nun meine Natur - damit angefangen, und habe Tage und Nchte im Venus-Berge der Poesie zugebracht um fr das Volkstheater einen neuen "Ole Lukie" herbei zu schaffen. Eure Konigliche Hoheit kennen diese Figur aus meiner frheren Mhrchen; in diesem neuen ist er es, der das Gemlde mit einem Rahmen versieht, und der Moral ist: "gesund und wohlgemuth das ist mehr als aller Reichtum." Ein armer Schornsteinfeger-Geselle, ein Sohn des Volkes, sagt dem Volke, das derjenige, der glcklichste ist, der in seiner Stellung zufrieden ist. Whrend man in einem Buche vielleicht nur zehn Menschen anredet, spricht man von der Bhne (v)or hunderten; von dieser Kanzel klingt die Rede lauter und mehr eindringend; wer wei, welch guter Keim dadurch in vielen niedergelegt werden kann. Wenn ich die letzte Hand auf dieses Werk gelegt habe, will ich meine Bilder aus Schweden wieder hervornehmen, diesem schnen Lande, welches Sie mein edler Herzog, doch einmal besuchen mchten. Ach wenn wir uns da wiedersehen knnte; ich dencke so viel, so innig an Sie! - Auch dem Gthe-Fest in Weimar habe ich in meinen Gedanken beigewohnt; in den Zeitungen fliegen meine Augen gleich nach dem Worte: Weimar, diese Stadt die in Deutschland die meisten, und die fr mein Herz liebsten Erinnerungen fr mich haben.

Die Bremer ist / jetzt in Nordamerica, ich habe Brief aus London erhalten, sie war da nur drei Tagen. Auch von der liebe Dickens habe ich Schreiben, so herzlich, ihm so eigen, erhalten. Ich denke daran, knftige Sommer ber Holland nach England zu gehen. - Eben heute lese ich da der gute Kanzler Mller ist gestorben; ein Freund weniger in Weimar! er war so ehrlich und gut, und wenn er sprach lebte man zurick in die Zeiten Gthes. -

Nun, wenn sehen wir uns! mein edler hoher Freund! Gott segne Sie! mge Frieden und Glck Sie und Alle umschweben! Bei der edlen Gemahlinn und den hohen Aeltern bitte ich Sie mir in Erinnerung zu bringen. Haben E: Konigl: Hoheit "die zwei Baronessen" gelesen, ich hrte nie davon. Liszt lebt noch in Weimar, wenn ich ihn da hren konnte, wie schn! kommt er doch nie wieder nach Kopenhagen, er hat hier (eingefgt: hat hier) so viele Freunde, besonders die liebenswrdige Tochter Sibonis, die Frau Tutein. Und nun, mein lieber theurer Freund, ein herzliches Lebewohl. Ihr Konigliche Hoheit

innig ergebener

H.C. Andersen

Tekst fra: Ivy York Mller-Christensen