The Hans Christian Andersen Center

Dato: 14. juli 1848
Fra: Carolina, Lina von Eisendecher   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Oldenburg den I4 Juli 1848

Lieber Andersen! Es verstrich eine so sehr lange Zeit da ich ich nichts von Ihnen hrte, da ich schon glaubte wir wollten auch einen Schleswig Holsteinsehen Krieg fhren, da kam mir aus Hamburg Ihr kurzes Briefchen, da mir als ein Erinnerungszeichen von Ihnen tausendmal willkommen war. Gottlob fangen Dnen und Deutsche doch wieder an sich auch ohne die Waffen zu verstehen, wenigstens giebt der vorlufige Waffenstillstand dazu die besten Aussichten. Aufrichtig gestanden habe ich fr diesen Krieg wenig Sympathien gehabt, die Proklamation der provisorischen Regierung war ein Gewaltstreich, den Niemand billigen konnte, anderseits mag von dnischer Seite Einigkeit und Energie genug gewesen sein, was indeen bei einem so kleinen Staat so ganz viel nicht sagen will, doch hat man den Krieg nicht in nobler Weise gefhrt, es sind namentlich hinsichtlich der Gefangenen Dinge vorgefallen die man heut zu Tage nicht mehr mglich halten sollte, ich bin berzeugt da dies nicht Schuld der Regierung war, doch wird es natrlich in Deutschland anders beurtheilt.

Von Politik wollte ich kein Wort schreiben, und sitze doch schon wieder mitten drin, so geht es aber heut zu Tage, man kommt immer wieder darauf zurck. Wie sieht es in Deutschland aus! es scheint zwar jetz wieder Licht zu kommen durch das Reichsoberhaupt, der Erzherzog Johann hat alle Stimmen fr sich, mge er die tausendfachen Hoffnungen die sich an ihn knpfen, nur Zur Hlfte erfllen so sind wir hoch beglckt.

Ob Ihnen der geschloene Frieden nicht doch zuletzt noch die Reiseflgellichten wird? ich denke mir das halb und halb; ein ganzes Jahr in Dnemark zu bleiben ist Ihnen wohl lange nicht begegnet. Und wie geht es mit Mrchen und Romanen, Sie schreiben gar nicht davon, mich haben neulig die beiden alten Schnecken sehr belustigt, der Ehrgeiz auf die Silberne Schssel gelegt und gebraten zu werden ist kstlich. Ein sehr hbsches Mrchen ist auch Das alte Haus das namentlich die Kinder entzckte. Beide werden gro und stark und sprechen gar oft von Ihnen da ich ihnen erzhlte da Sie sie auch nicht vergeen waren sie sehr glcklich. /

Von hier wei ich Ihnen wenig Gutes zu erzhlen, die Landes Verhltnie sind ziemlich verworren und unser allgemein verehrter Groherzog wohl zu alt um sich aufrichtig der neuen Zeit anschlieen zu knnen. H. v. Beaulieu wird wohl von seinen Ministerposten abtreten, vielleicht um einen energischeren aber sicherlich keinen wohldenkenderen Platz zu machen. Die armen Beaulieus, haben recht viel Sorge ausgestanden um ihre Shne. Edmund ist in Schleswig Holstein, und wenn es dort auch zu keiner einzigen ordentlichen Schlacht gekommen ist, so kann doch immer eine Kugel treffen, obgleich wir whrend der ganzen Zeit nur einen Mann durch feindliche Kugeln verloren haben. Der 4. Sohn August ist bei der streichschen Armee in Italien, und bis jetz auch Gottlob wohl, obgleich er Alles mitgemacht hat. Von Carls kleinem Shnchen haben Sie wohl gehrt, er ist seelig darber. Alexander war im Frhling hier er ist wohl und liebenswrdig wie immer. /

Da mein Briefchen eingelegt werden soll so darf ich ihn wohl nicht lnger ausdehnen. Mein Mann und die Kinder wie alle Freunde lassen Ihnen das Herzlichste sagen, Tuck frgt sehr oft ob alle Dnen unsere Feinde seien, dann fgt er aber stets hinzu, nur Andersen nicht. Nun Leben Sie recht wohl, lieber Andersen, vergeen Sie mich nicht, auch nicht schriftlig; und laen Sie unsere aufrichtige Freundschafft durch keine Kriege erschttern.

Darum bittet sehr

Lina Eisendecher.

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