The Hans Christian Andersen Center

Dato: 5. februar 1848
Fra: H.C. Andersen   Til: Wilhelmine von der Decken
Sprog: tysk.

Copenhagen 5 Februar 1848

Meine liebe mtterliche Freundinn!

Sie erlauben dass ich Sie so nenne; Sie sind selbst Schuld daran! Ihren letzten theuren Brief (gestern habe ich es erst emfangen) kam mir ganz unerwartet, wie Sonnen-Strahlen im Nebel; herzlich Danck dafr! Hier ist fr mich Alles neblich und dster, meinen lieben, guten Knig ist, wie Sie wissen, gestorben! Er war mir aber in den letzten Jahren so herzensgut; es war so heimisch da im Schlosse des Abends; die Kniginn und die Damen wartete beim Thee, wenn er kommen sollte, wie auf einen geistigen Freund, der die Stunden heiter und geistvoll machte! Gewhnlich lass er vor, oder sprach ber Poesie und Kunst, und ber das gesellige Leben; mehrere Abende las ich meine Mhrchen und Tragedien vor, und er freutete sich so innig, lebte so gut in die Dichtungen hinein, er war nicht der Knig, nein, der begabte, edle Mann, den man recht lieb haben musste, Ich war zum letzten Male in December bei ihm. Wir sehen uns recht bald wieder!" waren die letzte Worte, welche er mir sagte, und herzlich grste. Ich bin mit der Menge den letzten Abend darausen vor dem Schlosse gegangen und lauschte ob die Schmerzen bald vorber waren. Ach er ist todt, ich hatte ihn so lieb! - Die Kniginn ist sehr leidend, sie geht stille herum, kann nicht weinen, nicht schlafen, die arme, gute Kniginn!

Aber ich rolle Ihnen meinen Schmerzen auf, meine liebe, gute Frau Baroninn!

Ich hoffe Sie haben alle, 30 Bnde, meinen Schriften erhalten; auch an den Knig von Sachsen habe ich den ganze gesammt Ausgabe gesandt. Sagen Sie mir wie er es aufgenommen habe und wenn Sie mit den Majestten sprchen, erzhlen Sie wie tief und innig ich die Milde und Herzlichkeit im Herzen bewahre, welche ich bei dem Prinzen Johan, den fr mich schnen Abend erlebte.

Und nun grssen Sie herzlich die Frulein Tchtern und meinen Freunde Prof: Dahl, Retsch, Falkenstein &. Dass der Prinz Moritz von Altenburg mich noch gndigst erinnere macht mir gross Freude, bringen Sie meiner erfurchtsvolen Gruss.

Ihre kindlich ergebener

H. C. Andersen

N.S:

Eben bekomme ich aus Weimar das Diplom als Ritter erster Klasse des Grossherzoligch Schsischen Hausordens.

Bitte! Sagen Sie mir wie heiss die kleinste der Preinzessinnen bei Prinzen Johann, ich habe Sie erwhnt in das Mhrchen meines Lebens (2te Band Pag 125) ich mchte Ihnen gerne ein Exemplar der illustrirten Mhrchen bringen.

Tekst fra: Solveig Brunholm

[Kladde]

Meine liebe mutterliche Freundinn,

Sie erlauben da ich Sie so nenne; Sie sind selbst Schuld daran! Ihren letzten theuren Breif kamm mir ganz unerwartet, wie Sonnenstrahlen im Nebel; herzlich Danck dafr! hier ist fr mich Alles neblich und dster, meinen lieben, guten Knig ist gestorben, er war mir in den letzten Jahren so herzensgut; es war so heimisch da im Schloe des Abends; die Kniginn und die Damen wartete beim Thee, wenn er kommen sollte, wie auf einen geistigen Freund, der [overstr: machte Alles] die Stunden heiter und geistvoll machte! er la gewhnlich vor, oder sprach ber Poesie und Kunst, und ber das gesellige Leben; mehrere Abende [overstr: ulseligt] la ich meine Mhrchen vor und er lachte so [overstr: schn] innig, verstand alle die kleine [overstr: Bewegungen Anspielungen Anspielungen Bewegungen] lebte so gut in die Dichtung hinein, er war nicht der Knig, nein, der begabte, edle Mann, den man recht lieb haben mute. Ich war zum letzten Male in December bei ihm. "Wir / sehen uns recht bald wieder!" war das letzte Wort, welcher er mir sagte, und grte so herzlich grste. - Ich sahe ihn nicht wieder!, ich bin mit der Menge den letzten Abend darauen vor dem Schloe gegangen und lauschte ob die Schmerzen bald vorber waren. - Ach er ist todt, ich hatte ihn so lieb! - Die Kniginn ist sehr leiden, sie geht stille herum, kann nicht weinen, nicht schlafen, die arme, gute Kniginn! -

Aber ich rolle Ihnen meinen Schmerzen auf, meine liebe, gute Frau Baroninn!

Ich hoffe Sie haben alle meine Schriften, 30 Band, erhalten; auch an den Knig von Sachsen habe ich den ganze gesammt Ausgabe gesandt. Sagen Sie mir wie er es aufgenommen habe, und wenn Sie mit den Majestten sprechen, erzhlen Sie wie tief und innig [overstr: ich ihm Herzen bewahren] ich die Milde und Herzlichkeit [overstr: ich freute mich fr mich schne Abende] im Herzen bewahre, welche ich bei dem Prinzen Johan, den fr mich schnen Abend erlebte.

Und nun gren Sie die/ Tochtern und meinen Freunde

Ihre kindlich erge

Tekst fra: Solveig Brunholm (microfilmscan 13, 477-79)