The Hans Christian Andersen Center

Dato: 4. august 1847
Fra: Carl Alexander   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

46 Carl Alexander an Andersen

Ettersburg den 4 August 47

So wre ich denn wieder in den Ihnen wohlbekannten Rumen, in der von Ihnen gefeierten Natur, lieber Freund. Die Vergangenheit, mit all dem Merkwrdigen und Schnen was sie mir brachte, erscheint mir nicht wie ein Traum sondern wie eine schne Wirklichkeit, die sie auch ist, wie ein Schatz welcher mir von der gtigen Vorsehung geschenkt worden und von dem ich nun zehre und zehren soll. - Ich sage nicht wie ein Traum weil manche allgemein verbreiteten Redensarten wie die allgemeinen, groen landstraen, mich unbeschreiblich langweilen. Ueberdie lt man so viel Unwahres und Falsches oft hinter der Allgemeinheit entschlpfen, da man wohl mit Recht mitrauisch sein sollte. Mir ist es lieb, / da Ihr Bild mit in das Ganze jener Wirklichkeit hineinverwebt ist. Sieht man doch die Blumen in der Ferne gern wieder die uns in der Heimath blhen; mir ist es lieb Sie berall sich selbst wiederfinden zu sehen und Sie berall so wiederzufinden wie Sie mir lieb sind. - Mir that es leid von Ihnen nicht Abschied genommen zu haben. Die letzten Augenblicke waren so besetzt, da ich es nicht konnte. Von dem Schiff aus schrieb ich es Ihnen, der lootse sollte das Briefchen nach Gravesend bringen, Gott wei ob es je in Ihre Hnde gekommen! Als ich hier anlangte erhielt ich Ihren brief von dem 25 July fr den ich Ihnen herzlich danke, doppelt, denn er war mir ein lieber Boote aus dem schnen lande in dem meine Gedanken noch immer weilen und ich glaube, auch weilen werden. Ihr Vergleich zwischen / London und Rom (ber gestr.: Paris) ist sehr treffend, Sie nennen das erste Tag, das zweite Nacht; man knnte Letzteres (ber gestr.: Ersteres) auch Vergangenheit, Ersteres Gegenwart oder auch London das praktische Leben, Rom dagegen die Einbildungskraft nennen. Es freut mich fr Sie, da Sie die Bekanntschaft von Dickens gemacht haben und da Sie ein Ihnen symphathisches Wesen in ihm gefunden. Das ist ein groes Glck im Leben, was nicht Jedem beschieden ist. Mit lebhaften Farben schildern Sie den salon der Lady Blessington von dem ich glaube, da er den Vortheil vor den Uebrigen hat, da die leute im Ganzen daselbst abordabler sind als in den andern. Auch scheint er hauptschlich Litteraten offen zu stehen, die in England im Allgemeinen viel weniger hervortreten, als auf dem Continent. Die Ursache davon ist, da / man in England, trotz aller Freiheit, bei weitem nicht so frei in seinem Urtheil ist, als man logisch gedacht (aus: gesprochen) es sein sollte. - Da Sie Sich unwohl in England fhlen, sah ich Ihnen an, namentlich frappierten Sie mich jenen Abend in der Oper, wo wir, wenn gleich getrennt, doch viel durch unsere blicke zusammen redeten. Nehmen Sie Sich in Acht wenn Sie das Clima nicht vertragen sollten und kommen Sie lieber etwas frher hierher, nach Ettersburg, wo Sie Sich in der grnen Waldeinsamkeit wieder erholen knnen.

Ich eile diesen Brief bei guter Zeit zu schlieen und ihn nach London in die dn. Gesandtschaft zu schiken. Stets u. immer

Ihr

treuer Freund

CA

Tekst fra: Ivy York Mller-Christensen