The Hans Christian Andersen Center

Dato: 31. januar 1847
Fra: Carl Alexander   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

35 Carl Alexander an Andersen

Weimar den 31 Jan. 47.

In spter Nacht sitze ich an meinem einsamen Tisch und schreibe Ihnen. Drauen ist es wei wie auf diesem Papier, es hat den ganzen Tag geschneit, er kommt vom Norden herber, der Schnee, er ist ein Gru von Ihrem Lande, aber nicht von Ihnen, denn die Gre die Sie mir senden sind warm weil sie innig sind. Da sie innig, davon giebt Ihr Brief mir einen neuen Bewei wofr ich Ihnen danke von ganzem Herzen. Wahrhaft rhren thut mich Ihre Zurckweisung auf Ihr Mhrchen von der Glocke; laen Sie mich das Mhrchen zur Wirklichkeit machen! - Im Voraus danke ich Ihnen fr die mir von Ihnen angekndigten Exemplare Ihrer Werke, die ich noch nicht erhalten habe; ich bin gespannt auf Ihre Biographie, Sie knnen Sich denken mit welchem Interesse ich sie lesen werde. - Empfangen Sie ferner [eingefgt: ferner] all' meinen herzlichsten Dank fr Ihre Wnsche; fr den Ausdruck Ihrer Freundschaft aber will ich Ihnen, kann ich Ihnen nicht mit / blosen Worten danken, denn die Freundschaft hat Anspruch an das ganze Leben, das Leben selbst also mu und kann allein danken deshalb laen Sie mich, wie gesagt, durch mein Leben selbst Ihnen auf Ihre Freundschaft antworten. Da mich die Anerkennung freuen wrde, welche Sie durch Ihre Schriften ernten, waren Sie gewi im Voraus berzeugt; Sie so glcklich und zufrieden zu wissen freut mich hoch, erhalten Sie Sich dieses Glck durch die Kindlichkeit Ihrer Seele, sie ist ein Schatz der Ihnen geworden. Doch mitten durch (aus: in) den Sonnenschein ziehen Wolken, wie Sie mir bekennen; so ist es im Leben! Die Seele kommt mir im Kleinen vor wie die ganze Natur, berdie ist die Ihrige mit Poesie verwebt und nicht mit Unbedacht ist unter den Freskomalereien im Schloe zu Weimar die Poesie dargestellt in der Form der Phantasie wie sie zwischen heiteren und traurigen Gedanken emporschwebt gen Himmel. Ich kenne wohl diese sonderbare Wehmuth welche das menschliche Herz bisweilen pltzlich, mitten im Glck, mitten in der Freude berfllt, als ob fremde / unsichtbare Mchte mit uns Ball spielen. Doch der feste Wille, diese Aegis, welche dem Menschen gegeben, wird auch ihrer Herr und Beschftigung, die ernste Zauberinn, hilft sie zu verscheuchen! Laen Sie mich wenigstens dieses von Ihnen hoffen, selbst erwarten, damit ich Sie nicht durch innere Strme unglcklich whne. Sie beschwren allerhand Erinnerungen empor aus der Vergangenheit, die mir gar lieb und theuer sind. Sie erwhnen jenes Abendes wo ich vor einem Jahr, whrend des Festes, im Schlo, unter Blumen und Springbrunnen mit Ihnen (eingefgt: mit Ihnen) umherwandelte, Sie sagen da das vergangene Jahr uns nher gerckt und wohl haben Sie Recht solches zu denken und zu sagen, wenigstens sagt Ihnen mein Herz ein bestimmtes: Ja. Glauben Sie mir, mein Bester, da ich Ihnen vertraue und berzeugt bin, da wir stets fest und innig aneinander halten werden! - Ich sehe Sie jetzt in groer Thtigheit, mchte aber dabei da Sie Sich schonten und nicht, wie Sie mir schreiben, die Nchte arbeiten. Sie sind es dem Himmel, den Menschen und sich selbst / schuldig sich zu erhalten. Wie wunderbar mu es Ihnen vorkommen Ihre Gedanken und Gefhle in verschiedenen Sprachen wieder zu finden. Htte ich nur Geschick dazu und wre es berhaupt nur mglich, so bersetzte ich Manches von Ihren Werken in Musik. Es sollte lieblich klingen. -

Meine Eltern und meine Frau gren Sie, ich umarme Sie in Gedanken indem ich auf ewig bleibe

Ihr Sie herzlich liebender Carl Alexander

Es ist wohl mglich da ich meine nrdlichen Reiseprojecte noch ausfhre doch etwas Bestimmtes hierber zu sagen bin ich nicht im Stande. In jedem Fall theile ich sie (ber gestr.: es) Ihnen mit.

Tekst fra: Ivy York Mller-Christensen