The Hans Christian Andersen Center

Dato: 28. december 1846
Fra: H.C. Andersen   Til: Karl August Mayer
Sprog: tysk.

Bregentved 28 December 1846.

Mein lieber, theurer Freund!

Jeden Tag, jede Stunde beinahe, habe ich in den letzten Tagen daran gedacht an Sie zu schreiben, und doch erst jetzt kommt der Brief. Ich wollt als Beilage zu meinem Dank fr die Abhandlung, die ersten Bnde mit meiner Biographie mit schicken; der Buchhndler in Leipzig hatte mir es versprochen, da ich vor Weinachten, Exemplare von der Gesammt-Ausgabe meiner Schriften haben sollte; immer wartete ich darauf, aber noch sind keine da, und WeinachtsAbend ist schon vorber. Sie wissen da Brockhausen, Hrtel und Lorck, kamen mir alle freundlich entgegen, ich erwhlte den Landsmann Lorck, und leider, Lorck hat Banquerot gemacht, doch die Gesammt-Ausgabe geht nicht zurck, kommt aber etwas versptet heraus. Ich wute es schon vor acht Tagen, aber dann ging ich auf das Land, nach Bregentved, wo ich die letzten Jahren die Weinachts Tage bei der Excellenze Graf W. Moltke verweilte: Tannenbaum, Ball, Jagd, Comedie, gehen in einander; die Stunden gehen wie Minutten, erst heute habe ich Ruhe, erst heute kan ich mit Ihnen, mein lieber, Theurer sprechen. Wie herzlich und gut sind Sie mir gewesen! ich erinnere / mit wehmthiger Freude Ihr Theilnahme fr mich, wie herzlich ich empfangen wurde, jedes unserer Gesprche; bleiben Sie mir immer der nehmliche! Ich hoffe wir sehen uns nochmahls im Leben. Sie haben mich durch Ihr Herz aufgefat, jede Zeile in der Abhandlung ber mich ist Zeichen daran. "Wie wahr! wie hbsch!" riefen, beim Lesen, mehrer von meinen hiesigen Freunden. Und eben in Dnemark, durch Ihr: Neapel und die Neapolitaner", hat Ihr Urtheil einen hohen Werth. Dem Schriftsteller meinen Dank, dem Freund meine Liebe!

So bald wie mglich schicke ich die ersten Bnde der Gesammt Ausgabe, "mit der Selbstbiographie, und im Sommer kommt der neue Roman; ich bin fleiig gewesen, beinahe zweite Band ist beendiget; der Roman kommt in Deutsch, Englisch und Dnisch, ebenzeitig heraus. Aus London habe ich die erfreulichsten Nachrichten, meine Schriften werden noch mehr, als selbst in Deutschland, mit Liebe aufgenommen, die neuen Ausgabe der Mhrchen und Das Dichters Bazar, sind prachtvoll; feines Papier, schner Einband, mein Bild vorn, und Alles so reich und schn. Ich bin nach London eingeladen, man hat mir den herzlichsten Empfang versprochen, und jetzt lerne ich auch Englisch, denn es ist meine Absicht, knftigen Sommer nach London zu gehen. Ich glaube es wird mit dem reichen Buchhndler Bentley, der mir einen auserordenlich schnen und schmeichelhaftischen Brief geschrieben hat, arangirt, das eine englische Gesammt-Ausgabe meiner Schriften heraus kommt, wo von ich auch ein Vortheil haben kann, am wenigsten einen solchen, da ich fr das / Honorar eine Londoner-Reise machen kann. Ein Glcks-Stern steht ber mir und meinen Schriften, ich fhle es tief und innig, darum liebe ich auch mehr und mehr die Wellt und die Menschen. Liebe aus Eitelkeit kan mann wohl sagen; ich wei nicht mit Recht oder Unrecht, aber das Gefhle ist kein Schlechtes, das erhebt mich zu Gott, mein erster, mein starker Beschtzer. Gren Sie innig und herzlich die gndige Frau und die Kinder; ammeisten das kleine Engelgesichtchen, mein dicker Freund. Ich schreib einmal ein Mrchen, mit solchem hbschen Persnchen wie er, und schicke i[h]m es. Sagen Sie Erik Mosen, da der bleyerne Soldat, der kleine Erik hat mir ja ein Ehres-Vache gegeben, lebt und glht in Frben wie immer, und steht auf meinem Schreibtisch mit mehreren beliebten Spiel-Sachen.

Neu-Jahr bin ich in Kopenhagen, von da aus hren Sie noch einmal, wenn die Biographie aus Leipzig kommt. Gren Sie a[u]f das Innigste Hofrath von Eisendechers, Jerndorffs, Mosens, Beaulieus & dieser Brief ist nur fr Sie theurer Freund und ihre liebenswerdige Frau, denn leider kann ich nicht Deutsch schreiben, aber so Viel, hoffe ich, finden Sie doch heraus, da ich Sie auf das Innigste liebe und schtze.

Ihr inniger ergebener

H. C. Andersen


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Das sterbende Kind

(von H. C. Andersen)


Mutter, ich bin mde und ich sehne

Mich, zu schlafen an dem Herzen dir.

Hei auf mein Gesicht fllt deine Thrane,

Weine lnger nicht, versprich es mir.

Hier ist's kalt und drauen Strme wehen,

Doch im Traum ist alles licht und klar.

Engelskindlein hab' ich dort gesehen

Immer, wenn mein Aug' geschlossen war.


Horch, Musik! von ferne klingt es leise;

Ach, zu meiner Seite steht ein Knab',

Flgel hat er, Mutter, schne weie,

Die gewi der liebe Gott ihm gab.

Grn und rot und golden seh' ich's schweben;

Blumen streu'n sie mit den Hnden fein,

Sag, bekomm' ich Flgel auch im Leben,

Oder mu ich erst gestorben sein?


Warum hltst du meine Hand so bange,

Drckst den Mund so fest auf mein Gesicht?

Na, doch feuerhei ist deine Wange,

Mutter, ich bin dein und lass' dich nicht.

O, lass' deine Tranen nicht mehr flieen,

Weinst du lnger, weinen mu auch ich.

Bin so md'; mein Auge will sich schlieen;

Mutter, sieh, nun kt der Engel mich!

Tekst fra: Solveig Brunholm