The Hans Christian Andersen Center

Dato: 10. maj 1846
Fra: Carolina, Lina von Eisendecher   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Oldenburg den 10 Mai 1846

Schon lange lieber Andersen htte ich Ihren Brief aus Triest beantwortet, wenn ich nicht lngere Zeit abwesend gewesen wre, und jetz denke ich haben Sie meinen nach Wien geschickten Brief mit einer Einlage von Alexander Beaulieu lngst erhalten, ich begreife nicht da er nicht schon lngst in Ihren Hnden war, genau wei ich nicht mehr wann ich schrieb aber ich glaube Mitte Februar war es. /

Es thut mir so leid da Sie so lange ohne Nachricht von uns gewesen sind, denn wenn Ihnen auch in jeder Stadt freundliche Frsten genug entgegen gekommen sind so denke ich doch Sie vergeen darber die alten Freunde nicht. Ueber Alles Gute und Liebe was Ihnen von Menschen kommt, kann sich Niemand herzlicher, inniger freuen wie ich, aber lassen Sie sich nur nicht zu sehr in Ihren Arbeiten dadurch hindern, denn vor allem sind Sie doch Dichter, und solch ein hochbegabter Dichter, da es Jammerschade wre auch nur ein Mrchen ein Gedicht ber die vielen Bekanntschaften verlieren zu mssen. /

Man soll berhaupt nie zu viel Gewicht auf die Gesinnung von Frsten legen, denn nur zu leicht erhlt man dadurch nur bergroes Selbstvertrauen. Menschen die Sie nicht nher kennen werden das Eitelkeit nennen wie Sie das ja oft erfahren, so kann nun freilig Niemand es nennen der Sie lieb hat und Sie genau kennt, aber ich frchte nur da es Sie in Ihren Arbeiten hindert, und das wrde mir unendlich leid sein. Wie geht es mit den so interessant anfangenden neuen Roman? ich bin so begierig darauf da Sie es nicht denken knnen. Ob Sie wohl nach Spanien kommen, Ihr letzter Brief sagt nichts davon, und daher brchten Sie gewi ein gewichtiges Buch mit, voll wunderhbscher Mrchen. /

Nun mu ich Ihnen wohl Einiges von hier erzhlen, und fange damit an, da Alle Menschen sich Ihrer mit dem grten Interesse erinnern. Die Herzogin und der Erbgroherzog, schicken Ihnen einen freundlichen Gru, auch Frau von Scharnhorst, die durch Ihre Schwester aus Wien auch von Ihnen gehrt hatte. Der Erbgroherzog verlt uns in diesen Tagen um sich auf die Universitt Leipzig zu begeben, er wird uns alle recht fehlen, da er wirklich ein liebenswrdiger edler Mensch ist. Dr. Mayer hat einen sehr ausfhrlichen Bericht ber Sie geschrieben, nicht blos die Mrchen sondern smtliche bersetzten Sachen hat er beurtheilt, ich denke die Sache wird recht interessant sein, es erscheint in einer deutschen Vierteljahrsschrift, bleiben Sie noch lnger in Rom, so wird Ihnen der Aufsatz durch Buchhndler Gelegenheit zugeschickt werden. Gelesen habe ich noch nichts davon doch erwarte ich recht viel. /

Mosen hat noch immer viel mit seinen Bein zu leiden, er will Ende dieses Monaths fort um Schnlein in Berlin zu consultiren, und dann in ein bhmisches Bad zu gehn. Die Frau geht mit ihm. In dieser Zeit werden auch seine gesammelten N ovellen erscheinen. Mosen schickt Ihnen den besten Gru, er ist jetz sehr beschftigt, da er augenblicklich alleiniger Herscher am Theater ist. / Wie Sie wohl aus den Zeitungen gesehn haben ist uns unser Intendant H.v. Gall nach Stuttgard entfhrt. Da er unser nchster Bekannter war knnen Sie sich gewi denken da uns sein Verlust sehr leid thut. Die Frau wird sich auch gewi schwer in neue VerhItnie finden, da [sie] hier so sehr eingewhnt war. Gall hatte hier noch ehe er fort ging einen unangenehmen Streit mit Herrn von Ltzow, denken Sie dieser schrieb einen sehr boshaften anonymen Artikel ber Gallund das Theater, die Sache kam aber heraus und sie schoen sich, aber glcklicher Weise ohne erhebliche Verletzung. Ltzow nahm aber in Folge dieser Angelegenheit seinen Abschied und wird nun wohl mit der ganzen Familie Oldenburg verlassen. Die liebenswrdige Beth werden Sie schwerlich im Herbst noch finden. /

Alexander sein junges Herz erleidet durch Ltzows Fortgehen auch eine gefhrliche Wunde. Beaulieu lassen Sie Alle schnstens gren, auch die junge Frau, wir alle hoffen fest darauf da wir uns im Herbst sehen, wenn Sie nur nicht durch Menschen und Gegenden gar zu arg verwhnt sind, es gefllt Ihnen dann am Ende hier in diesen einfachen nordischen Zustnden garnicht mehr. Die gewie kleine Dame hier auf der Nachbarschaft erkundigt sich auch stets mit vieler Liebe nach Ihnen, der haben Sie doch wirklich das kleine Herzchen ganz verwirrt. In diesen Augenblick sind die zwei Freundinnen aus Bremen bei mir zum Besuch, sie wohnen oben auf Ihrer Stube, und ich habe alle Ihre fr die Kinder ausgeschnittenen Sachen an die Wnde gehngt. Nun leben Sie recht wohl lieber Ahdersen, bitte bitte schreiben Sie auch bald, es macht mich sehr sehr glcklich von Ihnen zu hren!

Mit wrmster Freundschaft

Lina von Eisendecher.

Mein Mann und auch die Kinderchen gren viel tausendmal.

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