The Hans Christian Andersen Center

Dato: 9. august 1844
Fra: Carolina, Lina von Eisendecher   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Oldenburg den 9 August 1844

Sie sind wohl ganz bse, lieber Andersen, da ich Ihnen nicht nach Berlin geschrieben, aber ich bekam Ihren Brief grade am Tage meiner Abreise von Bremen, und da hatte ich nun in den ersten 14 Tagen hier wirklich keine ruhige Stunde zum schrei,ben. Ich habe auch eine wahre Sehnsucht Ihnen einmal wieder so recht aus voller Seele und ausfhrlich zu schreiben. Die letzten flchtigen Zeilen waren eigentlich gar keine Briefe. /

Nun aber vor allem, wie habe ich mich ber Ihren Brief gefreut, jeder Triumpf den Sie feiern beglckt auch mich; es befestigt meinen Glauben an die Menschheit wenn man Sie anerkennt, denn ich bin berzeugt, es sind nur die edelsten Mnner die Sie verstehn. Ein[e] geistige Erscheinung wie die Ihrige ist hchst selten, wenn nicht sogar einzig, eine kalte herzlose Natur wird Sie nie begreifen, denn Sie mssen grade mit dem Herzen aufgefat werden. Und das Sie in Weimar so viele Menschen fanden, die Sie verstanden und anerkannten, das hat mich unendlich erfreut. Die ganze frstliche Familie dort, soll im hchsten Grade liebenswrdig sein, wer wei ob Sie das Schicksal nicht noch einmal nach Weimar entfhrt. Wie schn auch da Sie Beaulieu so lieb gewonnen, auch ich halte sehr viel von ihm, und vermie ihn hier noch sehr; haben Sie ihm denn mein kleines Briefchen was ich nach Weimar schickte, gegeben? /

Wie hat Ihnen denn die Grfin Hahn gefallen? Sie schreiben nichts von ihr, und doch wrde es mich sehr interessiren grade Ihr Urtheil ber diese Frau zu hren. Die Hahn mu sehr bedeutend sein, aber ob sie Herz hat -, in ihren Bchern ist eigentlich nur Leidenschaft und Geist, kennen Sie etwas davon? Auch von dem jungen Beaulieu schreiben Sie nichts weiter, er hat Sie schon lange verehrt. Ganz begierig bin ich aber wie es Ihnen in Berlin gegangen, ob es Ihnen dort eben so gefallen wie in Weimar, bitte bitte schreiben Sie recht ausfhrlich von allem, auch ob Sie die Frau von Arnim, die Bettine gesehn haben, und was Sie fr einen Eindruck von ihr gehabt. Grade jetz habe ich mit wahrer Begeisterung ihr neuestes Buch gelesen, es sind Briefe die sie mit ihrem Bruder Clemens gewechselt, in frhster Jugend. Sie glauben nicht wie schn das ist, eine so frische lebendige ja fast bermthige Lebensansicht ist mir noch nie vorgekommen, wenn Sie es bekommen knnen, bitte bitte so lesen Sie es; ich wei gewi Sie werden Freude daran finden.!

Die deutsche Sprache wird Ihnen nun wieder recht gelufig geworden sein, denn Ihr Brief war trotzdem da Sie ihn gleich ins Deutsche schrieben, ganz vortrefflich, thuen Sie das nur immer gleich, denn wenn es auch mal etwas confus ist, ich verstehe Sie doch, und Ihr eignes liebes Wesen guckt mich doch aus jedem Wrtchen an, die Poesie fhrt Ihnen nun einmal immer die Feder, Sie mgen deutsch oder dnisch schreiben.

Soll ich nun aber mal ganz aufrichtig sein? Denken Sie, ich bin ganz eiferschtig auf die vielen Menschen die Sie nun liebgewonnen haben, vergeenSie mich nur nicht, lieber wie ich hat Sie doch kein Mensch, und beer verstehen thut Sie auch Niemand, ich habe nun einmal mein ganz besonderes Anrecht an Sie, der Dichter gehrt ja eigentlich Allen, der ganzen Welt, aber wer ihm am besten versteht, dem steht er am nchsten. Und nun habe ich Sie nur so kurz gesehn, ich kann mich noch immer nicht darin finden, der nchste Sommer mu Sie zu mir fhren und auf recht lange, dann soll uns das Schicksal nicht wieder slchen Strich durch die Rechnung machen; auch mein Mann hat eine groe Sehnsucht nach Ihnen, der kleine Herr hat mich auch schon gefragt: kommr denn Herr Andersen nicht wieder, der die hbschen Bilderbcher bringt? /

Ja ja in den deutschen Herzen haben Sie eine zweite Heimath gefunden, das vergeen Sie nie! Nun sind Sie wieder in dem schnen Koppenhagen, und erzhlen den Freunden von Deutschland, knnten Sie doch nur auch von Oldenburg mit erzhlen! Die Frau Drewsen ist gewi ganz bange da man Sie zu sehr verzogen hat, sagen Sie ihr doch ich htte gesagt, es schadet Ihnen nichts; das glaube ich auch wirklich, denn Selb[st]gefhl haben Sie und mssen Sie auch haben, aber es kann nie in kleinliche Eitelkeit ausarten, dazu machen Sie auch viel zu groe Ansprche an sich selbst.

Wenn man Sie in Dnemark hart beurtheilt, so denken Sie an Deutschland, dann werden Sie die Dornen womit man Sie dort verwundet, weniger empfinden. Wann kommen denn nun aber Mrchen von Ihnen nach Deutschland, ich trume von allem Schnen was Sie mir erzhlt, und mgte es doch so gerne wieder lesen. Das liebliche Schlafmrchen vom Sand mann, daran denke ich jeden Abend ehe ich einschlafe. In Hamburg ist man auch entsetzlich lssig mit dem Druck. Da fllt mir ein was hat denn Vieweg in Braunschweig zu der Ge sammtausgabe Ihrer Werke gesagt, wird es nicht bald fort gesetz? Haben Sie nicht von irgend einem Ihrer Lust oder Trauerspiele eine deutsche Uebersetzung? ich htte hier so sehr gern einmal eins aufgefhrt, z. B. Vglein im Birnbaum, es kann mich immer traurig machen da ich sogar nichts da von kenne. Sagten Sie nicht der Mulatte wrde nchstens kommen? /Mein Mann verlangt auch sehr etwas vom Ahasver zu hren, er ist aber ja noch nicht gedruckt. In welchem deutschen Blatt wird doch Ihre Arbeit ber Thorwaldsen aufgenommen, ich hre so sehr viel gnstiges darber. Vergeen Sie auch nicht den versprochnen neuen Roman, nchstes Frhjahr bringen Sie ihn mit zu meinem Geburtstag, der ist im Juni, ach wie wrde mich das so unermelich freuen. Sie sehen wie herrlich der Geiger gewirkt hat, schreiben Sie etwas eben so Schnes bitte bitte.

Nun mgten Sie auch gewi gerne noch von Ihren hiesigen Freunden hren. Kobbe hat sich sehr ber Ihre Handschriften gefreut, ich wei nicht ob er Ihnen selbst geschrieben. Der Arme ist oft krank, wir sehen ihn deshalb auch selten. Mayer ist im Seebade gewesen, er ist nett und angenehm, wie Sie ihn ja auch kennen; ich glaube nicht da er in diesen Augenblik irgend eine Arbeit vorhat, wenigstens keine grere. Wedderkopp ist noch immer mit seiner schwedischen Reise nicht fertig, er lt es hier drucken, und da hat er denn viel mit der Corektur U.S.w. zu thun. Es ist [ein] ganz eigenthmliches Buch, der Beifall einzelner ist ihm wohl gewi, ich glaube aber nicht da es im allgemeinen Glck macht. Es ist etwas einseitiges darin, und dann gar zu viel subjectives, das will man nicht. Wunderschn sind einige Uebersetzungen von schwedischen Volksliedern, namentlich das Lied vom Necken, wenn ich noch Platz habe schreibe ich es Ihnen ab. /

Pott ist von seiner englischen Reise zurckgekehrt, aber wie ich glaube nicht sehr befriedigt; es sind zu viel groe Knstler in England, Pott konnte nicht den Beifall haben den er erwartete, dazu hat er sehr lange Zeit dort sein mssen, ohne da es ihm gelingen _ollte sich ffentlich hren zu lassen, ein eignes Concert ist auch nicht zu Stande gekommen. Ihre Noten habe ich ihm geschickt. Aber wie die dnische Musik doch sonderbar ist, ich kann mich gar nicht recht hinein finden. Mit der Oper ist' s schon anders, die fhrt doch mehr eine bekannte Sprache, ich finde recht vieles sehr schn darin, die Chre lassen sich leider nur sehr unvollkommen nach dem Clavierauszug beurtheilen. Meinen Mann interessirt es im hchsten Grade dnische Musik kennen zu lernen, er dankt Ihnen noch auf das herzlichste fr all die schnen Noten; die kleinen deutschen Gesnge sind allerliebst, wenn Sie hier wren wrde ich sie Ihnen vorsingen.

Die beiden Schwestern in Bremen haben Sie durch Ihr freundliches Angedenken sehr glcklich gemacht, die jngere war nicht in Bremen als ich Ihren Brief bekam, denken Sie da hat die ltere Schwester Ihren Brief auswendig gelernt, um ihn der jngeren doch recht genau mittheilen zu knnen. Sie lassen Ihnen beide viel Schnes sagen; der Abend den Sie in ihrem Hause zubrachten, wird ihnen ewig unvergelich sein. Sehr habe ich mich auch ber Ihr rencontre mit meinen Geschwistern in Braunschweig gefreut, aber da Sie den Bruder an der hnlichkeit erkannt ist doch viel.

Heute werden Sie nicht ber einen kurzen Brief klagen, ich frchte er ist Ihnen nun zu lang geworden, sehn Sie so geht's wenn man etwas beruft. Das allerbeste und schnste soll ich Ihnen von meinem Mann sagen, behalten Sie uns beide im guten Andenken! .

Adieu lieber bester Andersen! Mit unverminderter Liebe und Treue die Ihrige.

Lina von Eisendecher.

Schreiben Sie auch bald.

Tief im Meere mit der goldnen Leier

Ruhet Neken im grnen Saal;

Und die Nacht spannt ihren dunklen Schleier

Ueber Wald, ber Berg und Thal.

Herrlich steht der Abend da im Feier Kleid,

Und kein leises Lftchen regt sich nah und weit,

Alles rings still in Frieden schweigt

Der Meeresfrst der Demantburg entsteigt.

Aegirs Tchter pltschern lind und leise

Schaukeln sanft ihn auf klarem See;

Und der Harfe schwermuthsvolle Weise

Tnet weithin sein tiefes Weh.

Nur sein nasses Aug' am dunklen Himmel wacht,

Doch kein Stern verkndt' die Kniginn der Nacht.

Freya schmcket ihr goldnes Haar

Und durch die Lfte hallt es wunderbar:

Ach wo weilst du klarer Stern so lange

In der blauenden Dmmrung Stund !

Die du einst als Braut die holde Wange

Meinem Ku bot' st auf Meeresgrund!

Und wenn dann dein Herz entbrannt an meinem Sang

Schmiegtest du die holden Reitze schn und bang

An mein Herz in der khlen Flut;

Und stumm die Harfe auf der Welle ruht.

Doch an Gimle's Busen hie dich Odin strahlen

Ewig darben im Sternengefild.

Einsam trgt der Snger seine Qualen,

Hat nichts mehr als dein ses Bild.

Doch wenn einst die Midgard Schlange sich erhebt,

Nach dem Kampf das All erlset bei dir lebt

Dann aufs neu bei der Harfe Klang,

Fr neue Welten tnet mein Gesang.

Verstehn Sie das? Es ist wirklich recht schn. Die vielen Worte aus der nordischen Mythologie sind Ihnen gewi bekannt, sie sind natrlich wesentlich zum Verstndni. Wedderkopp hat viel Mhe mit der Uebersetzung gehabt.

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