The Hans Christian Andersen Center

Dato: 14. marts 1844
Fra: H.C. Andersen   Til: Ludwig Lenz
Sprog: dansk.

Kopenhagen, 14. Mrz 1844.

Lieber Freund!

Gestern Abend ist Thorwaldsen pltzlich im Theater gestorben. Ich schreibe mglichst schnell aber dnisch, da ich es so besser erzhlen kann; in Hamburg giebt es Leute genug, die es bersetzen knnen.

Sie begreifen nicht, wie ich durch diesen unerwarteten Todesfall erschttert bin! Ich speiste gestern Mittag mit ihm bei der Baronin Stampe; auer der Familie und Thorwaldsen und mir waren noch Oehlenschlger, der Botaniker Schouw und der junge Maler Constantin Hansen dort, der die Bilder zu dem Thowaldsen-Museum liefern soll. Thorwaldsen war, wie Sie wissen, nicht sehr gesprchig; es war daher ganz eigenthmlich, ihn gestern bei Tische Anekdoten erzhlen zu hren; er war sehr aufgerumt und hchst liebenwrdig. Ich sa neben ihm und es konnte mir nicht im Traume einfallen, da er in einer Stunde schon zu den Todten gehren sollte. Er fragte Oehlenschlger, ob er ihm in's Theater folgen wollte, wo man zum ersten Mal "Griseldis" gab. Oehlenschlger hatte keine Lust und Thorwaldsen fragte mich, ob ich dahin ginge, aber ich verneinte dies ebenfalls, da ich mich whrend des ganzen Tages fast krnklich verstimmt gefhlt hatte. Wir blieben bis ungefhr sechs Uhr zusammen, dann ging er ins Theater, und dort whrend der Ouverture erhob er sich, um einem Herren, der an ihm vorbergehen mute, Platz zu machen. Thorwaldsen setzte sich wieder und lehnte in demselben Augenblick den Kopf zurck; man glaubte, er sei ohnmchtig geworden und schaffte Wasser herbei, um ihn damit zu besprengen; aber da er tod zu sein schien, wurde er hinaus getragen. Der Dichter H. P. Holst war einer der Ersten, der den Todten berhrte. Gleich nachdem man ihn hinausgetragen hatte, wurden Aerzte herbeigeholt, aber jeder Versuch war vergebens; Thorwaldsen war todt. Viele Zuschauer entfernten sich, geleitet von einem natrlichen wehmthigen Gefhl. Ich war direkt vom Diner nach Hause gegangen, wo ich den Abend einsam verbrachte und vor heute Morgen von alledem nichts hrte. Bournonville kam sehr aufgeregt zu mir und erzhlte mir, was vorgefallen. Ich lief sofort nach Thorwaldsen's Wohnung. Im Salon war bereits ein Comit in Veranlassung seines Todes versammelt. Im Schlafzimmer befanden sich einige fremde Menschen, die das Bett umstanden, in welchem der Todte lag. Die Baronin Stampe, die ihm wahrhaft tchterliche Gefhle erweisen hatte und die vor wenigen Tagen ihre einzige liebe Schwester (Frau Schouw) verloren hatte, sa vor seinen Fen! Es sah hier drinnen so unheimlich aus mit dem nassen Fuboden von Schnee, den die Leute mit ihren Stiefeln hineingetragen hatten und drausen herrschte graue Luft. Ich war erschttert und bewegt! Noch gestern, bevor er zu Tische bei dem Baron Stampe ging, arbeitete er an Luther's Statue; diese ist also sein letztes unvollendetes Werk. Gestern hielt ich seine warme Hand in der meinigen; gestern, eine halbe Stunde vor seinem Tode sagte er zu Oehlenschlger: "Mein Basrelief &Der Genius der Poesie' werde ich zu einer Medaille fr dich machen!" Es ist hbsch, da diese Worte fast die letzten waren, die er zu Oehlenschlger uerte.

Es ist nur einige Tage her, seitdem ich in Veranlassung Ihres Schreibens ber Thorwaldsen's Biographie fr Ihren "Zeitgenossen" zu ihm ging, ihn ber manches inbetreff der Biographie befragte und ihm die Probe, die Sie mir mit Liszt's Bild gesandt hatten, zeigte. Ich bat Thorwaldsen selbst zwischen den vielen Portreits, die von ihm existiren, eins zu whlen, das ihm am hnlichsten sei. Er erklrte dann, da ein kleines Portrait, eine Zeichnung, die Grtner gemacht hat, das beste sei, aber da eine solche Ihnen vielleicht sehr theuer werden wrde und Sie wahrscheinlich nur einen Kupferstich oder einen Steindruck zu haben wnschten, empfahl er auf das Bestimmteste einen Portrait, das von Begas gemalt und von Amsler in Mnchen gestochen ist. Ich wei nicht, ob Sie dies nun whlen werden, oder ob ich mit Grtner darber sprechen soll, welchen Preis er fr eine Copie seiner Zeichnung verlangt. [Der Schlu fehlt]

H. C. Andersen

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