The Hans Christian Andersen Center

Dato: 13. marts 1843
Fra: H.C. Andersen   Til: Conrad Rantzau-Breitenburg
Sprog: tysk.

Euer Exzellenz!

Paris, den 13. Marz 1843

Ich bin nun schon ein paar Tage hier in Paris und kann es nun nicht weiter hinausschieben, Ihnen zu schreiben; noch einmal von ganzem Herzen Dank fr all Ihre Gnade und Gte fr mich. Meinen Brief aus Hamburg haben Euer Exzellenz hoffentlich erhalten. Ich wollte in einem Zug nach Dsseldorf durchfahren, aber, der Postgang ist so, da man einen ganzen Tag in Bremen festliegen mu. Ich kannte dort niemand, aber da fiel mir ein, daG die Frau des dnischen Konsuls, eine Schwester des Generalgouverneurs (in Danisch Westindien) Scholten, mir einmal Danksagungen fr meine Romane geschickt hatte, ich ging dorthin und fand die freundlichste Aufnahme, man fhrte mich herum, und die Stunden flogen wie Minuten. Eine ebenso gute Behandlung geno ich in Dsseldorf bei den vielen Knstlern, ich war ihnen nicht fremd und mute meinen Aufenthalt dort auf zwei Tage ausdehnen. Ich sah hier ein wenig vom Karneval, aber er war rmlich im Vergleich mit dem, was wir vom Corso in Rom kennen; das beste war ein Holzbau mit der berschrift "Narrhalla", worin man Karikaturen berhmter Leute fand, es war eine Art Parodie auf die Walhalla Knig Ludwigs (von Bayern). Von Kln ging ich auf der Eisenbahn nach Aachen, wo ich einen Tunnel passierte, der so lang ist, da man eine 3/A Stunde brauchte, um zu Fu hindurenzugehen, aber wir flogen in 4 Minuten dahin, aber die waren sehr lang, weil es die ganze Zeit stockfinster war. In Belgien sind die Wagen besonders gut eingerichtet, ein Gang trennt zwei Abteile von einander, in diesen sitzt man gut, und die Tr nach beiden Seiten steht whrend der ganzen Fahrt offen. Coopmann nahm mich auerordentlich gut auf, mit ihm fuhr ich in Brssel herum, und er trug mir auf, Euer Exzellenz seine ergebenen Gre zu senden. Auf der Reise ber Mons ware es mir beinahe ergangen wie dem Herzog von Orlans, stellen Sie sich vor, der Kondukteur hatte vergessen, die Tr zum Eisenbahnwagen zu schlieen, in voller Fahrt, als ich mich gegen sie lehnte, schlug sie auf, und mein Nachbar mute mich am rmel festhalten. Am 8. kam ich in Paris an und wohne in der Rue Richelieu, Hotel Valois, vis a vis la bibliotheque, ich wohne ziemlich hoch, aber es ist ja ein gutes Viertel; mit 60 Speziestaler im Monat komme ich aus und kann also bis in die ersten Maitage hier bleiben, dann geht es wieder nach Hause. Es ist wirklich ein bichen hart, seinen Besuch so einschrnken zu mssen! Ich fhle mich so belebt, so lebensfroh in der groen lebendigen Stadt! - Die Schweiz wre wohl auch der Mhe eines Besuchs wert, wenn man schon einmal in der Ecke ist, aber daraus wird diesmal nun nichts; wenn mein Geld jedoch reicht, so da ich nicht von Berlin ber Stettin nach Hause mu, so nehme ich den Weg ber Hamburg und Breitenburg, wo Sie mich ja wohl 4 bis 5 Tage sehen wollen; doch darber werde ich mir nher zu schreiben erlauben, ich schmeichle mir damit, von Euer Exzellenz - zum 2. April (Andersens Geburtstag) - einen kleinen Brief zu bekommen. Ich habe (Giulia) Grisi in (Rossinis Oper) Semiramis gehrt, das ist eine groe, hinreiende Stimme, aber ich bin sehr viel mehr fr (Pauline) Viardot-Garcia, die Schwester der (weltberhmten, frhverstorbenen Sngerin) Madame Malibran; sie singt, da man von Kopf bis Fu zum Herzen wird. 1m St. Martin sah ich ein Stck -1001 Nacht, das gegenwrtig ganz Paris dorthin zieht! Das Dekorationswesen ist so makellos schn, es ist ein ganz und gar orientalischer Traum, bald ist man in China, dann im tiefsten Urwald, dann auf dem offenen Meer, wo sich die Wogen auf die Zuschauer zu walzen, da man seekrank werden kann. Heute soll ich (die berhmte Tragdin) Rachel in (Racines) Phdra sehen. Kammerherr Koss (der dnische Gesandte) hat mich schon mit zwei Besuchen beehrt, und ich habe heute bei ihm gegessen, wo ich zwei ganze Stunden lang franzsisch sprechen mute, das war etwas hart. ... Meine Gedanken sind mit Ergebenheit und Dank auf dem lieben Breitenburg,

Ihr Untertanigster ergebener

H. C. Andersen

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