The Hans Christian Andersen Center

Dato: 15. september 1844
Fra: H.C. Andersen   Til: Conrad Rantzau-Breitenburg
Sprog: tysk.

Augustenburg, den 15. September 1844

Euer Exzellenz,

wie soll ich Ihnen meinen Dank, meine - darf ich es sagen - meine Liebe zu Ihnen aussprechen! Sie sind so gut zu mir gewesen und sind es noch. Wie vieles schulde ich Ihnen doch: erst Ihr wohlttiges Wort fr mich bei Friedrich VI., dann die Herzlichkeit, mit der Sie mir so oft auf Breitenburg ein Zuhause gegeben haben, und nun die interessanten Tage auf Fhr. Selbst wenn diese kein neues Glck fr mich hervorbringen, wenn man mich auch vergit, so habe ich doch einige lebendige Sonnentage genossen, gesehen, wiesich ein Hofleben darstellt, die persnliche Liebenswrdigkeit des Knigs und der Knigin noch mehr schtzen gelernt; es sind zwei gesegnete Menschen! In meinem neuen Roman [Die zwei Baronessen] werde ich fr einige Kapitel Fhr und die Nordseeinsel als Schauplatz benutzen. Gelingt es mir, so knnen Euer Exzellenz es sich als eine Art Verdienst zurechnen, denn einzig und allein durch Sie konnten sich diese Gegenden in meinem Gemt abspiegeln.

Die Fahrt hierher nach Augustenburg machte ich mit [dem Cellovirtuosen] Kellermann, mute mich also ein wenig nach ihm richten und konnte nicht mit dem Dampfschiff bersetzen, auf dem Ihre Majestt mir einen Platz gnnen wollte. Kellermann wollte ungern warten; indessen muten wir fast vier Stunden kreuzen, das war durchaus nicht behaglich. - Mittwochabend kamen wir hier nach Augustenburg. Ich stieg im Wirtshaus ab, aber die Herzogin lie gleich meine Sachen hier herauf aufs Schlo holen, und ich habe es sehr gemtlich, alle sind so freundlich zu mir, und der Herzog erweist mir groe Gnade; gleich am ersten Tag gab er mir einen Wagen fr meinen Gebrauch. Die Herzogin selbst fhrte mich zu Tisch. Wir sprachen viel miteinander, und man wnscht, ich soll die Rennen ber hierbleiben; wahrscheinlich komme ich so nicht vor dem 24. weg, aber dann gehe ich unmittelbar nach Kopenhagen. Von Collin habe ich einen Brief bekommen. Er und die ganze Familie freuen sich sehr ber die Gnade, die ich empfangen habe, und Collin freute es auch, da ich mich nicht unbescheiden aufgefhrt habe, als der Knig so gnadig war, mit mir ber meine Geldangelegenheiten zu sprechen.

Die Prinzessinnen [von Augustenborg] haben mich gefragt, ob ich bald an Euer Exzellenz schriebe. Ich habe geantwortet, das werde heute geschehen, und sie haben mir aufgetragen, die herzlichsten Gre auszurichten. O, die jungen, gesegneten Damen sprechen so schn, so innig ergeben von Euer Exzellenz, wir fhlen alle, wie gut Sie sind! - Hier auf Augustenburg ist es sehr schn, aber auch so kalt, wie ich es in diesem Jahr noch nicht gehabt habe. In Sonderburg besichtigte ich das alte Schlo und war unten, wo Christian II. als Gefangener sa. Die Treppe ist noch vorhanden, aber der Turm ist verschwunden. Ganz unten stand ein groer Marmorblock, der dem gefangenen Knig als Stuhl gedient haben soll. Ich setzte mich auf den kalten Stein und dachte ber das Lebensglck nach. - Ja, es geht seltsam zu; selbst mein kleiner Ausflug nach Fhr gehrt zu diesem Unberechenbaren in der Welt, am Tage, bevor der Brief Euer Exzellenz eintraf, trumte ich noch nicht einmal davon. Gestern habe ich an den jungen Erbherzog von Weimar geschrieben, von dem, wie Euer Exzellenz wissen, ich so viel halte. Ich habe ihm auch dieses eigentmliche Schlukapitel des Mrchens dieses Sommers erzahlt. - Mchte nun mein Stiick Die Glucksblume angenommen werden und Beifall finden; so fliege ich im nchsten Sommer einige Monate nach Sden, aber erst mu der Roman fertig werden mit Halligen und Dnen, mit einer weiten Nordsee und den Spaziergangern auf dem Sandwall [in Wyk]. Erfreuen Euer Exzellenz mich mit einem Brief, wre er an Konferenzrat Collin zu schicken. Leben Sie nun wohl! Gottes bester Segen sei mit Ihnen!

- Ihr dankbarer, treuer

H.C.Andersen

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