The Hans Christian Andersen Center

Dato: 9. august 1865
Fra: H.C. Andersen   Til: Elisabeth von Manderstjerna
Sprog: tysk.

Friesenborg 9 August 1865

Gndiges Fraulein!

Aus voller Seele danke ich Ihnen herzlich und innig, da Sie mich so freundlich in Gedchni haben. Schon vor zwei Jahren, da Collins von Italien zurck kamm -, bekam ich den hbschen Palmenstock, den Sie, theures Freulein mir geschenkt haben. Kurz vorhher kam meine Reise: "In Spanien" heraus, ich htte Ihnen so gern das Buch geschickt, denn mein Buch war schon in Uebersetzung herausgekommen, aber weder Collins noch ich, wusten Ihren Wohnort. Jetzt in Mai wurde ich berrascht durch einen Breif mit der Namen Manderstern darunter. Die Beilage ein kleines Schreiben an Frau Collin habe ich augenblichlich abgeliefert und sie hat gleich geantwortet undich hoffe auch dabei geschrieben da ich eben in der Zeit auerordenlich in Anspruch genommen war, denn ein neues Lustspiel: Die Spaniern in Dnemark" wurde eben einstudiert und auf die knigliche Bhne gebracht; noch dabei kam ein grsere Oper: "Der Rabe", wozu ich den Text geschrieben hatte, undich war alle Tagen bei Proben und in Bewegung wegen dieser dramatischen Sachen. Nachher war ich leidend, / und obschon es mir tglich in Gedanken lag, wurde das Briefschreiben aufgeschoben! Aber jetzt bin ich schon mehrer Wochen auf dem Lande bei lieben Freunde, in Jtland, in Fhnen, in Seeland, bin heiter und glcklich, hab neue Mrchen geschrieben, und diese Brieftaube fliegt jetzt von Frijsenburg heraus. Ich bin mitten in Jtland, in groer schnen Wald-Einsamkeit, bei lieben Menschen, denen Gott Herz und Reichthum gegeben hat. Neue Mrchen, wie gesagt, habe ich geschrieben, die wieder Jugendsinn und Sonnenschein athmen.

Ach wie Viel ist geschehen seit wir uns in Montreux sahen! so oft habe ich an die schnen Tagen gedacht. Spanien hat mich entzckt. Ich bin bis Gibraltar gegangen und von dort nach Tanger in Africa eingeladen von dem englischen Minister-Recidenten, der mit einer dnischen Dame verheirathet ist. Zehn Tage bin ich dort geblieben, die waren beinahe das Bouquet der ganzen Reise; dann ging ich ber Madrid nach Biaritz. Ich sende Ihnen, wenn Sie es erlaubt das Buch: "In Spanien". /

Kurz nach meiner Zurckkunft nach Dnemark, starb, wie Sie sissen, der Knig Frederik VII, der Krieg brach los, es waren schwere, bittre Tage. Ich hab sehr gelitten. Ich konnte nicht schreiben, konnte nicht Anders als unseren Kampf und Leiden denken. Bis Anfang deses Jahres habe ich keine Dichtung gedacht und geschrieben, erst Neujahrs Morgen fing ich an mit "Die Spaniern in Dnemark", Lustspiel in 3 Acten. (Sie erinnern da die Spaniern 1808 kamen mit den franzsischen Truppen nach Dnemark.) Jetzt schreibe ich wieder werse und bin wie gesagt auf dem lande bei Freunde auf schnen Gternd und in liebevollen Umgebung. Aus Lissabon habe ich von unserem dnischen Konsul, der Portugische O-Neil Einladung bekommen, diesen SWinter bei ihm zu verweilen, wenn nicht die Reise zur See oder auch durch Spanien ginge in Diligensen sich wahre Marterkasten, war es schon abgemacht, aber noch scwanke ich in meiner Entschlu.

Ach wie traurig da der junge edle Thronfolger starb! die arme Prinzessin Dagmar! sie ist schon, lieb und gut, und schon ist ihr eine so / schwere Prfung von Gott Auferlegt. Der Bruder, unser Kronprinz ist neulich in Petersburg gewesen und so liebevoll, wie ein Sohn, von der Kaiserlichen Familie empfangen. Es freut mich, denn ich habe ihn sehr lieb. Gren Sie die Schwerstern, und behalten Sie mich freundlich in Erinnerung. Die Handschrift der weltberhmten Pusckin ist fr mich ein Schatz. Meinen innigsten Dank. Sie wnschen die meinige fr die Samlung der Frau von Kaptick ich bringe ein kleines Gedicht in meiner Muttersprache. Etatsrath Collin, mit Frau und Kinder, sind diesen Sommer auf Hellebek, am Meeres Strande, nahe an Helsingr. Und nun leben Sie wohl, gesund und glcklich! Gott segne und freue Sie edles, theures Frulein. Ihr dankbar ergebener

H.C. Andersen

Tekst fra: Solveig Brunholm (LP 288, billed 6783-86)