The Hans Christian Andersen Center

Dato: 28. december 1860
Fra: Siegwald Dahl, Friederike Serre, f. Hammerdrfer   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Am 28. Dezember 1860

Geliebter, theurer Freund!

Soeben erhalte ich Ihren lieben Brief und sofort sitze ich Ihnen antwortend da. Wie betrbt mich die ernste, ja trbe Stimmung in demselben! Was ist es denn, Gottes Segen ruht auf Ihnen und Ihren Werken - die Liebe und Achtung aller Edlen und Guten - noch Jugendkraft im Krper und Geist - und doch nicht heiter? - O, wren Sie diesen Winter doch in Dresden geblieben. Wir htten eine gemtliche Wohnung ganz in der Nhe gesucht und manchen Abend im traulichen Gesprch und engern Kreis zugebracht. Auch mein Herz bangt sich nach der lieben Frau von Goethe nach Grfin Moltke. Sigwald ist viel in der Lausitz bei Graf Einsiedel wo er malt - erst krzlich ist er zurck, und es ist mir als sei mein Sohn wieder zurckgekehrt!

Der Weihnachtsabend war ganz heiter, Carl und Clementine und ihre 3 Jungen trafen den Abend vorher ein - fr sie wurde der Baum geputzt - und ihr Jubel um die hellen Flmmchen erquickte wahrhaft das Herz. Von 8 Uhr an gingen sie aufs Schlo, wo die Schwestern bescherten, und wir blieben allein - den 1ten Feiertag kamen die nheren Bekannten, Allbedylls, Wolfersdorf pp. pp. welche ich mit Kleinigkeiten beschenkte und von ihnen wieder entgegennahm. Wie ist es doch so traurig den theuersten Freund fern zu wissen, Ihnen nicht eine Freude bereiten zu knnen und ein Liebeszeichen zu geben! -

Doch meine Gedanken zogen zu Ihnen und ich dankte Gott, wie ich es auch in der Neujahrsnacht tun werde - da er mir das Glck Ihrer Bekanntschaft,Ihrer Freundschaft geschenkt - die schnste Blume meines Lebens. Wie viele herrliche Stunden verdanke ich Ihnen-welchen meinen Herzensgenu so oft - Gott behte Sie und erhalte Sie uns-da,mein Neujahrswunsch fr mich und Sie.

Welch gelungenes Bild aber ist Ihre Fotografie! Eben ist Sigwald hier, er ist entzckt davon, und nennt es das Beste! Tausend, tausend Dank dafr, es ist eine Freude! -

Die arme Clara Heinke! Welch traurig Los eine arme blinde Mutter zu haben - wie beklage ich Sie in tiefster Seele!- Seit einigen Tagen bin ich sehr um Serre besorgt, er ist nicht krank, fhlt sich aber so schwach - da er den Tag ber meist auf das Bett oder Sofa sich legt! Angegriffen an Geist und Krper von vieler Arbeit, und noch kein Ende zu berechnen. Leider haben wir nach der Berechnung alle nichts Erhebliches gewonnen - lauter Verlagsartikel, d.h. Bcher, Kupferstiche oder dergleichen! -

Ich selbst leide seit einigen Tagen an unsglichen Schmerzen, ich habe die Mund fule bekommen, lauter offene Wunden am Zahnfleisch. Zwar liege ich nicht zu Bette, aber hte das Zimmer, kann wenig genieen es schmerzt fortwhrend grulich. Auch Carl hat in voriger Nacht einen Choleraanfall gehabt - ich mute den Arzt rufen lassen, danach ist ein entzndlicher Zustand eingetreten, doch soll es gefahrlos sein. So betrete ich das neue Jahr nicht ohne Schmerzen und Sorgen! - Hier herrschen die Masern fast in jedem Hause. Der Knig liegt noch bedenklich daran, auch die Knigin, Prinz Albert und seine Gemahlin hatten sie, und es wird weder eine Kur noch Feten am Hofe stattfinden!

Wie viele Arbeiten haben Sie vor, und schon beendet! Der Knig hat Recht - er wnschte Ihnen ein langes Leben - weil Sie Gutes wirken und zur Bildung des Herzens schreiben!

Damit Sie recht oft an die Worte unsres Kiglichen Herrn erinnert werden, und an den Abend wo Sie bei ihm lasen - lege ich sein Bild hier bei.Die kleinen Fotografien der kniglichen Damen existieren noch nicht! - Mein Mann, welcher unendlich viel rger und Sorgen noch hat, trgt mir das herzlichste fr Sie auf! Frau von Berge ist in Magdeburg bei einer kranken Schwgerin! - Wenn die 12te Stunde das alte Jahr beschliet - dann stoe ich auf Ihr Wohl die Glser an - und denken wir Ihrer in Liebe und Treue! Gott gebe Ihnen Glck und Wohlergehen in dem Neuen. -

In Treue Ihre Fr. Serre

Ende Januar reist Sigwald nach Paris zur Grfin, gewi auf sehr lange.

[Zusatzzeilen von Sigwald Dahl:]

Da hier noch ein Pltzchen, mu ich Ihnen doch mein lieber Herr Professor ein herzliches und glcklich es neues Jahr wnschen und sollten diese Zeilen Sie noch in Basnaes treffen, so bitte ich, mich Frau von Scavenius zu empfehlen! Auch die Frau Majorin Serre bittet, Sie mchten sie angelegentlich an Frau von Scavenius empfehlen - Vor einigen Tagen war Chr. Stampe bei Frau Majorin. Er war wohl und munter und begab sich auf Studien. Ihr Sigwald Dahl

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