Dato: 28. juni 1858
Fra: Friederike Serre, f. Hammerdörfer   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Brief der Friederike Serre an Andersen

Ems, am 28.Juni 1858

Mein theurer, verehrter Freund!

Länger als ich gedacht über 6 Wochen, sitze ich hier. Die Kur sagte mir gar nicht in der ersten Zeit zu, und noch fühle ich, daß mein Übel nicht behoben, sondern nur tagelang gemindert ist! Es besteht nämlich in einer Auflockerung und Anschwellung nebst dabei entzündlichem Zustand im Kehlkopf, daher die Halsschmerzen und der Hustenreiz! - Nun,wie Gott will!

So bin ich schon über 6 Wocheh hier, und denke, den 1. Juli früh abzureisen, den 3 ten in Weimar bei Frau von Goethe zuzubringen und den 4 ten in Dresden zurück zu sein! - Da erwartet mich der Schmerz Margaret, welche 16 Jahre in meinem Hause, sich während meiner Abwesenheit plötzlich bei der Gräfin Moltke, mit 2 Mal soviel Gehalt m ehr als bei mir, als Wirtschafterin engagiert - nicht mehr zu finden! Können Sie das von beiden Seiten begreifen? Wieder eine schmerzliche Erfahrung mehr im Leben!

Auch Henselt hat sein Kommen angezeigt - und so sehne ich mich nach Hause. Frau von Goethe schreibt von Clara Heinke, sie hat mir täglich besser gefallen. Wahres tiefes Gefühl, ohne jede Sentimentalität, klarer Verstand, der sich in Allem Rechenschaft zu geben weiß und Fleiß und Beharrlichkeit zeichnen sie aus. Es ist eine solche Grundlage von Pflichtgefühl, so feste Grundsätze, wie mich an der Tochter eines solchen Vaters nicht Überrascht.

Und sind solche Eigenschaften denn nicht geeignet, einen Mann zu beglücken, zuma1 wenn der Mann die Überzeugung haben muß, hier geliebt zu sein?

Darf man ein solches Glück zurückweisen und muß es nicht berücksichtigen ?-?-?

Wie freue ich mich auf die Zeiten, wo wir Sie wieder haben, wieder die liebe Stimme hören, die Hand drücken, so fest, so wahr. Es ist meine schönste Lebensfreude - diese Zeit, Ihr Aufenthalt in Maxen! Wie viel Neues werden Sie mitteilen! Könnt ich nur mit denen, die ich am Liebsten auf der Welt habe, den Genuß teilen! Hoffentlich holen Sie sich diesen Brief von der Post in München ab und bestimmen dann mir schriftlich, welchen Tag wir Sie in Dresden erwarten sollen!

Bis dahin getreulich

Ihr Fr.Serre ¬

Randnotizen:Ist der junge Andersen schon verheiratet? Grüßen Sie schön im Voraus Herrn Drewsen Anhang:Aus dem Leben eines Glücklichen! von Julie Burrow Wie der Gärtner nicht bloß die Blumen der Heimat pflegt und sich an ihnen freut, so hatte auch ich Blumen aus der Fremde in diesen sommerlichen Garten gepflanzt, und es stand nahe unserer ????,sein Zeitgenosse Berggesen, und sein Gefühlsgenosse, Hans Christian Andersen-Andersen! Theurer, von mir so hochgeliebter, wenn &uch nie gesehener Freund, wenn ich den Mut gehabt, Dir hätte ich diese Blättchen gewidmet Andersen! Lieblich wirkt das Veilchen unter den Blumen, wie Orions Gürtel mit seinem Silbernebel unter den Sternen, wie der weiß gefiederte Schwan unter den Vögeln! Empfange, milder Sänger des Nordens in diesen Zeilen den Dank eines Herzens, daß Du oft erfreut und getröstet! Könnt ich doch Deinem Freunde und Boten, dem Storch - der seit der frühesten Kindheit auch mein Freund ist, einen Gruß an Dich mitgeben, wenn er im Lenz nach Norden zieht - oder dürfte ich hoffen, daß deine Augen einst auf diese Zeilen fallen! Wohl, ich binde meinen Gruß an dieses Buch, wie man ein grüßendes Wort an den Flügel des Zugvogels heftet, der in die Ferne geht, ohne bestimmte Hoffnung, aber doch mit dem warmen Wunsche, daß er Dich erreichen möge. Ich wußte, auch Du liebst Andersen - wie ich ihn liebe - und ich legte ein blühendes Herbstveilchen zu dem Märchen von häßlichen Entlein, und das Blatt einer Spätrose zu dem holdseligen Meerfräulein.

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Ems Am 28. Juny. 1858.

Mein theurer, verehrter Freund!

Länger als ich gedacht, über 6 Wochen, sitze ich hier, die Cur sagte mir gar nicht die erste Zeit zu, und noch fühle ich daß mein Übel nicht gehoben, sondern nur Tagelang gemindert ist! Es besteht nehmlich, in einer Auflockerung und Anschwellung nebst dabey entzündlichen Zustand, im Kehlkopf, daher die Halsschmerzen und der Hustenreiz! – Nun wie Gott will! So bin ich schon über 6 Wochen hier, und denke den 1st July früh abzureisen, den ./. 3t in Weimar bey Frau v. Göthe zu zu bringen und den 4ten in Dresden zurück zu sein! – da erwartet mich der Schmerz Margaret – welche 16 Jahre in meinem Hause, und sich während meiner Abwesenheit plötzlich bey der Gräfin Moltke, mit 2 Mal so viel Gehalt mehr, als b[e]y mir, als Wirthschafterin engagirt – nicht mehr zu finden! Können Sie das von beiden Seiten begreifen? Wieder eine schmerzliche Erfahrung mehr im Leben! Auch Henselt hat sein Kommen angezeigt – und so sehne ich mich nach Hause. Frau von Göthe schreibt von Clara Heinke, sie hat mir tägl. beßser gefallen. Wahres tiefes Gefühl, ohne jede Sentimentalität, klarer Verstand, der sich in Allem Rechenschaft zu geben weiß und Fleiß und Beharrlichkeit ./. zeichnen sie aus, Es ist eine solche Grundlage von Pflicht Gefühl, so feste Grundsätze, wie mich an der Tochter eines solchen Vaters nicht überrascht. Und sind solche Eigenschaften denn nicht geeignet einen Mann zu beglücken, zuma1 wenn der Mann die Überzeugung haben muß hier geliebt zu sein? und darf man ein solches Glück zurück weisen, und muß es nicht berücksichtigen ?-?-?

Wie freue ich mich auf die Zeit wo wir Sie wieder haben, wieder die liebe Stimme hören, die Hand drücken, so fest, so wahr. Es ist meine schönste Lebensfreude – diese Zeit, Ihr Aufenthalt in Maxen! Wie viel Neues werden Sie mittheilen. Könnt ich nur mit denen die ich am Liebsten auf der Welt habe, den Genuß theilen! Hoffentl. hohlen Sie sich diesen Brief von der Post in München ab, und bestimmen dann mir schriftl. welchen Tag wir Sie in Dresden erwarten sollen! -

Bis dahin getreulich

Ihre Fr. Serre

[i margenen, p.1:] Ist der junge Andersen schon verheirathet?

[i margenen, p.2:].Grüßen Sie schön im Voraus Herrn Drewsen!

[tilføjelse p.4-5:] Aus dem Leben eines Glücklichen, von Julie Burrow . ( Frau Pfannenschmidt) Seite 89.

Wie der Gärtner nicht blos die Blumen der Heimath pflegt, und sich an ihnen freut, so hatte auch ich Blumen aus der Fremde in diesen sommerlichen Garten gepflanzt, und es stand neben unsern Matthison, sein Zeitgenosse Baggesen, und Sein Gefühls Genosse, Hans Christian Andersen – Andersen! Theurer, von mir so hochgeliebter, wenn auch nie gesehener Freund, wenn ich den Muth gehabt, Dir, hätte ich diese Blätter gewidmet, Andersen! Lieblich wie das Veilchen unter den Blumen, wie Orions Gürtel mit seinem Silbernebel unter den Sternen, wie der weiß gefiederte Schwan, unter den Vögeln! Empfange milder Sänger des Nordens! in diesen Zeilen den Dank eines Herzens, daß du oft erfreut und getröstet! Könnt ich doch Deinem Freunde und Boten, dem Storch – [overstreget: die Bote] – der seit der frühesten Kindheit auch mein Freund ist, einen Gruß an Dich mitgeben, wenn er im Lenz nach Norden zieht – ./. oder dürfte ich hoffen, daß deine Augen einst auf diese Zeilen fallen! Wohl, ich binde meinen Gruß an dieses Buch, wie man ein grüßendes Wort an den Flügel des Zugvogels heftet, der in die Ferne geht ohne bestimmte Hoffnung, aber doch mit dem warmen Wunsche, daß er Dich erreichen mögte.

Ich wußte, auch Du liebest Andersen – wie ich ihn liebe – und ich legte ein blühendes Herbst Veilchen zu dem Märchen vom häßlichen Entlein, und das Blatt einer Spätrose, zu dem holdseligen Meerfräulein.

[udskrift:] An den Herrn Professor H. Ch. Andersen in München Ritter mehreren hohen Orden Hochwohl

Poste restante,

[stemplet:] BAD-EMS 28 6 1858 FRANKFURT 29 JUN MÜNCHEN 30 JUN. 185

Tekst fra: Niels Oxenvad (KB affoto 5198-5203)