The Hans Christian Andersen Center

Dato: 24. februar 1855
Fra: Salomon Hermann Mosenthal   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Wien 24 Febr. 1855

Mein verehrter lieber Kunstgenosse.

Wer selbst ein Dichter ist, wie Sie, der weiss wie aussre der Freude des Schaffens uns wenig ungetrbter Genuss auf der Dichtkunst dornenvollen Wegen blht, wie oft ein einziger Moment herzlicher Anerkennung, freundlichen Verstndnisses, uns fr eine Reihe von Enttuschungen und Krnkungen zu entschdigen hat. Solch einen glcklihcen Moment haben Sie mir bereitet, und ich habe mit Freudenthrnen im Augen Ihren Breif gelesen. Es war nicht nur das erhebende Gefhl, dass das was ich in der Einsamkeit unsrer oesterreichischen Berge empfand und niederschrieb, sein Echo am Sund und in den Schluchten des Kilen finden soll, dass eine hochherzige durchbildete Brudernation mir Beifall und Theilnahme geweiht hatte - nein es war das wohlthuende Bewusstsein vor Allem, dass ein chter Dichter, den ich in seinen Werken lngst innig verehrt, mein Gedicht an Kindesstatt angenommen, es wie sein eigen Fleisch und Blut gehegt, berwacht und liebevol emfohlen. Nehmen Sie, lieber Hr. Professor, meinen innigsten Dank dahin, und lassen Sie mich, nach alter Site der Gastlichkeit pflegend bald fr eines Ihrer Kinder ein Werk verlgeltender Liebe thun. Was immer hier in Wien im Bereich Ihres Interesses liegen sollte, vergessen Sie nicht, dass Sie in mir einen dankbaren Sachwalter besitzen.

Ich habe durch die Gte eines hier verweilenden Buchhndlers, eines jungen Dnen, ein Exemplar Ihrer Bearbeitung des Sonnwendhofes in dnischer Sprache erhalten. Ich habe Manches vergleichend verstanden, vieles hat mich mein Freund Gurlitt, Landschaftsmaler verstehen gelehrt. Die Sprache klingt sympatisch, mnnlich ernst und doch ser weich und rhrend. Die eingelegten Lieder sind trefflich gewhlt, der Effect in der letzten Scene, das Schwingen des Feuerbrandes, so plastisch, dass wir es bei hiesigen Darstellung zu adoptieren gedenken.

... So lassen Si sich mein theurster Collega, im Geist noch einmal treu und dankbar die Hand schtteln von Ihrem herzlich ergebenen.

Dr. Mosenthal.

Tekst fra: Se tilknyttede bibliografiposter