The Hans Christian Andersen Center

Dato: 20. oktober 1848
Fra: H.C. Andersen   Til: Carolina, Lina von Eisendecher
Sprog: tysk.

Kopenhagen 20 Oetober 1848.

Liebe Frau von Eisendecher!

Ich bin wieder in Kopenhagen, wohne in Neuehafen No 34, und habe eine Aussicht ber den Sund bis Schweden. Dampschiffe, Khne gehen vorbei, ich bin sehr zufrieden mit die neue Wohnung. Ich habe den ganzen Sommer auf Glorup in Fhnen verlebt, da habe ich Ihren lieben letzten Brief empfangen, dancke, dancke! mein bester Dank dafr, da ich so in Ihre Gedanken bin. Gren Sie innig und herzlich den Herrn Hofrath und die sen Kindern. Sagen Sie Tuk und Gustave, wir bleiben immer Freunde. /

Es war interessante Tagen in Fhnen. Der alte Graf auf Glorup hatte da schwedische Einquartierung von einem Obersten, 8 Officiren, einem Prediger, einen Artze und 40 Spielleuten, auer einer groen Anzahl von Soldaten. Jeden Mittag hatten wir Tafelmusik; im Garten in den langen Aleen kamen Leute aus d: ganzen Umgegend und am Sonntag, nach schwedischen Sitte, aus d: Zeiten Gustav Adolphs, Gottesdienst unter freiem Himmel; in dem groen Burghofe sangen die Soldaten ihre Psalmen mit Orchester, von der hohen Steintreppe redete der Prediger. Morgens und Abends auf offener Strae paradirte das Regiment, ein Unterofficier las der Gebet vor und dann sangen Alle die Psalme ohne Begleitung; es war feierlich! - .

Ich habe ein Bild davon gegeben in Nordischer Telegraph, herausgegeben vom Buchhndler Lorck in Leipzig. Lesen Sie doch dieser neue Zeitung, Lorck hat diese Zeitung angefangen, welche die Bewegungen in Kunst, Literatur und Politik im Norden mit Wahrheit und Unpartheilichkeit behandeln soll. Er sagt: Das Gerusch der Waffen darf die Stimme nicht bertnen, welche die geistige Vermittlung der Vlker Deutschlands und seiner nordischen Nachbarn beschafft, es ist viel mehr die schnste Gelegenheit, dem Geist zu seinem Triumph zu verhelfen, wenn eben unter solchen Verhltnissen der geistige Verkehr doppelt rege erhalten wird, indem er dazu dienen mu und soll, das Verstndnis herbeizufhren, dessen nahes Zustandekommen in dem so natrlichen Interesse Aller liegt. - Er hat gute Mitarbeider in Dnemark, Norwegen und Schweden; er will bauen: eine Brcke zwischen Deutschland und dem stamverwandten Norden. Lesen Sie diesen Zeitung. /

Mein neuer Roman: Die zwei Baronninen (3 Bnde) wird nchstens erscheinen in der deutschen Ausgabe; ich habe an Lorck geschrieben, er mu gleich, Ihnen ein Exemplar nach Oldenburg zustellen; - die englische Ausgabe ist schon in London heraus. -

Die illustrirten Mhrchen kommen erst hervor im Frhling, da schicke ich diesen an Tuk und Gustave. Die Mhrchen habben, zu Kopenhagen, eine neue Art von Bearbeitung gefunden. Hornemann, der Komponist von dem Volkslied: Der tapfere Landsoldat, hat einige von meinen Mhrchen in Musik skizzirt, sie werden vom Orchester in Tivoli aufgefhrt, so zum Beispiel Die Nachtigall. Erst kommt die chinesische Musik, dann hrt man die Nachtigal im Walde und beim Hofe singen, dann versucht der Kunstvogel dasselbe Thema, das Kunststck zerbricht; der Kaiser wird krank, seine gute und bse Thaten umschw[rmJen ihn; endlich singt die lebendige Nachtigal und der Kaiser geneset sagt: Guten Morgen! -

So ist die musikalische Geschichte. Oehlenschlger hat uns eine neue Tragedie Kjortan und Gudrun geschenckt, ein hchst interessantes und mit groem Beifall aufgenommenes Stck. Die Scene ist auf Island; Thorwaldsens Stamvater: Oluf Paa, kommt darin vor. - Hauch hat eine neue Romane geschrieben, die auch spielt auf Island; die meinige Die zwei Baroninnen bewegt sich nur in Seeland, Fhnen und Schleswig, auf die Halligen im Nordmeer. /

Hier in Kopenhagen ist, Gott sei gelobt, Alles ruhig und gut. Whrend Dnemark gewissenhaft und treu alle Bedingungen des Waffenstilstandes erfllt, ist in den Herzogthmern dies gar nicht der Fall; bleibt es ferner so, dann werden wir im Winter gar keine Postverbindung haben. Gott bewahre und segne Sie und die Ihrigen. /

Gren Sie die Eltern und Freundinnen in Bremen! Schreiben Sie mir doch wie es geht Beaullieus, dem Excellense! Wo lebt Carl? Ich kenne gar nicht seine Adresse; sagen Sie mir, wo ist der liebe Edmund und Alexander? Ob wir uns ferner wiedersehen werden / wann und wo? Will Gott, gehe ich knftig Frhjahr nach Finland; da ist Friede da scheint die Mitternachts Sonne; gegen Sden komme ich schwerlich! - Gren Sie Mayer, Frau und Kinder! Wie gehts Mosen? -

Der alte Hambro in London ist gestorben, wie Sie wissen. Jenny Lirid ist erwartet nach Kopenhagen. Die schwedische Dichterinn Frederika Bremer kommt hieher knftige Woche; ich hoffe dieser Besuch wird ein gnstiges Resultat bringen, sie hat groe Interesse fr Dnemark. Kennen Sie die neusten Roman Frederika Bremers: Syskonlif (Geschwister Leben)? Und nun leben Sie recht wohl und glcklich, gren Sie recht zu Hause, Mann und Kindern. Meine Gedanken sind oft, so wie mein Herz, bei die Lieben in Gartenstrae.

Lebe wohl!

Ihr treu ergebene Freund.

H. C. Andersen

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