The Hans Christian Andersen Center

Dato: 1. august 1847
Fra: Carolina, Lina von Eisendecher   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Oldenburg den 1 August 47.

Schon lange htte ich Ihnen, lieber Andersen, fr Ihren Brief aus London gedankt, wenn ich nicht von Tage zu Tage gehofft htte, Ihnen genaue Kunde ber unsre Reiseplne geben zu knnen, das bin ich nun aber leider immer noch nicht im Stande, kann aber deshalb doch meinen Brief nicht lnger verschieben, denn Sie werden garnicht begreifen, was aus uns geworden ist. Bis jetz konnten wir zu keiner Reise kommen da wir erstlich allerlei Besuch hatten, und zweitens unsre Verwandten die wir in Frankfurt besuchen wollten, fr die Sommermonate nicht anwesend waren. Wir hatten nun den September I dazu bestimmt, doch ein wahrscheinliches Reiseprojekt unserer Herrschaften da nehmlich dieselben nach Genua zu einer entrevue mit der Knigin von Griechenland reisen, kann sehr wahrscheinlich alle unsere Plne vereiteln, wenn nehmlich mein Mann die Reise mitmachte, was leicht sein kann. /

Diese gnzliche Ungewiheit ist hchst fatal, und thut mir doppelt leid, da ich Ihnen nun weder hier noch sonst irgendwo mit Bestimmtheit unsre Anwesenheit sagen kann. October dachte ich zwar wren wir hier, doch ist es auch nicht ganz sicher, da man nicht wei wann die Herrschaften reisen und wie lange sie fortbleiben. Wann eigentlich Ihre Rckreise sein wrde erwhnen Sie nicht. Wundervoll wre es wenn wir uns in Heidelberg bei Alexander sehn knnten, gehn Sie nach Weimar, so ginge das vortrefflich, jedenfalls schreibe ich Ihnen gleich wieder so wie etwas entschieden ist ber uns. Wir wrden unbedingt jetz gleich fortgehn, wenn mein Mann nicht halb und halb frchtete dadurch die Genueser Reise zu verlieren, denn wenn er nicht hier ist, und man reist pltzlich fort, kommt er natrlich nicht mit.

Nun aber zu Ihrem Brief, dessen glnzender Inhalt, alle Ihre Freunde sehr erfreut hat, wie freut uns Ihre Aufnahme in England die ja garnicht glnzender sein konnte, wenn Sie das dortige Leben nur nicht zu sehr aufregt und anstrengt, namentlich die ganz vernderte Tages Eintheilung, ich werde mich sehr freuen wenn ich wei da Ihnen alles gut bekommen. Was werden Sie alles erzhlen knnen, wir mssen uns sehn im Herbst jedenfalls. /

Von allen hiesigen Bekannten soll ich Ihnen die herzlichsten Gre sagen, namentlich natrlich Beaulieus. Die Excellenz und Frau haben halb und halb die Idee mit uns nach Heidelberg zu Alex. [zu gehn], der Ihnen sein Wohlsein in beisetzender Einlage melden wird. Carl mit der Frau war 14 Tage hier, ich habe beiden Ihren Brief vorgelesen, sie ist recht angenehm, aber sehr still und theilnahmslos, dabei sieht sie krnklich aus, und ist sehr gro, grer wie Carl. Er war auch eigentlich stiller geworden. Ob es wohl eine Neigungs Heirath ist, ich kann es mir zuweilen garnicht recht denken, da ich mir fr Carl B. immer eine ganz andere Frau gedacht htte. /

Edmund geht in diesen Tagen ins Seebad, er ist sehr liebenswrdig und heiter diesen Sommer, neulig hat er zum Geburtstag des Groherzogs in Rastede ein Fest arangirt, das ganz wunderhbsch ausgefallen. Als der Groherzog nach der Tafel in seinen Park nach dem Jgerhause fuhr, wurde er dort von einer zahlreichen Gesellschaft empfangen, und kaum tritt er auf den Altan hinaus, so empfngt ihn ein glnzender Zug seiner getreuen Unterthanen. In der landesblichen Tracht kam, voran Musik, dann Jger mit Hunden und erlegtem Wild, dann ein Zug pferde mit Pferde-Hndlern, Eutiner mit Fischen und Gemse, ein Blumen geschmckter Erndte Wagen mit 24 Schnitterinnen, Oldenburger Schiffer und zuletz Birkenfelder: Die ganze Hofgesellschaft erschien in den verschiedenen Kostms, und mein Mann hielt eine lange Anrede in Versen. Es war Alles sehr hbsch. Hernach wurde noch eine Komdie von Edmund gespielt, die hchst komisch war.

Hier ist es brigens jetz sehr still da alles verreist ist, der Sommer ist aber auch so beraus schn, da man durchaus hinaus mu. Aus Bremen habe ich Ihnen auch die besten Gre zu sagen, der kleine Knabe meines Bruders ist leider immer krank gewesen. Die Kinder schicken Ihnen die zrtlichsten Gre, Sie spielen in ihrer Erinnerung eine sehr groe Rolle. Das allerherzlichste lt Ihnen mein Mann sagen, er hofft wie ich Sie vor Ihrer Rckreise zu sehn. Nun Leben Sie recht wohl lieber Andersen, und bitte geben Sie bald Nachricht von sich!

Mit treuer Freundschaft

Lina v. Eisendecher.

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