The Hans Christian Andersen Center

Dato: 5. maj 1845
Fra: H.C. Andersen   Til: Carolina, Lina von Eisendecher
Sprog: tysk.

Kopenhagen 5 Mai 1845

Aber mein Gott, wie kann da sein! Kein Brief in mehrere Monathen. Sind Sie krank ? Wer ist gestorben? Ich werde ganz ngstlich! Im Winter, am Weinachten und spter, habe ich geschrieben ein Brief an Sie und dem Herrn Kammerherrn. Wederkopp. 0 schreiben Sie doch bald, Sie haben mir daran gewhnt, da Schweigen, sechs Monathen, kann ich gar nicht verstehen. /

Mir ist es so gut gegangen; dieser Winter hatt mich so viel Freude gebracht, Ruhm und Glck! Ich habe eine ganze Reihe Mhrchen geschrieben, und erndte der hchste Anerkennung; am Neujahr erschien ein Bndchen und I April ist noch einer mit neuen Mhrchen erschienen; neulich las ich sie dem Knig und der Kniginn vor; sie sind mir, die Majestten, so gndig und gut gestimmt; der Knig hat in diesen Tagen aus eigener Trieb und Gnade die Summe vergrert, die ich, wie Oehlenschlger und Heiberg zu Friederich des VI Zeit, [von] den Finantsen erhalten habe; Ich habe nun jhrlich 400 preusischen Thaler, die mir jetz in Verein mit dem was mir meine Schriften einbringen, ein angenehme Existenz verschaffen werden. Der Improvisator ist jetz in Russisch uebertragen und in Petersburg erschienen, aber am interessantesten fr mich, der Improvisator macht Aufsehung in England, die Ueberzetzung soll ganz ausgezeichnet sein und durch alle englischen Zeitungen sehe ich wie beliebt und gelesen das Buch wird; man stellt die Schilderungen neben die von Gthe und Byron. Die Mhrchen kommen auch da, wie mehrere Gedichte heraus, es scheint als ob eine Glcksstern steht ueber meine Schriften, ich freue mich: wie ein Kind, aber so was darf man nicht laut sagen; mit jedem Jahre geht es vorwrts, das Leben ist ein vollkommen schnes Mhrchen. /

Anfangs Juni gehe ich nach Nyse, wo ich herliche Tage mit Thorwaldsen verlebt habe, darauf nach Fhnen und Jtland; am Ende Juli wird in Skanderburg das Monument des verstorbene Knig Friderich VI ab gehllt, ich habe die Einweihungs Lied geschriben und bin zum Feste eingeladen, im September komme ich nach Augustenburg, der Herzog und die Herzoginn feiern Ihr silberne Hochzeit. Anfang November, hoffe ich, geht es nach Deutschland, wo ich den ganzen knftigen Winter zubringen will. Sind Sie und Ihre lieben Gemal, mitten in October oder November zuhause da komme ich nach Oldenburg; Ich weis nicht ob Sie zwei von meinen in Deutsch bergetragenen Bchern erhalten haben. Die Mhrchen, GesammtAusgabe, erste Band, bersetzt von Reutseher und Neue Mhrchen bersetzt von Petit, darin steht Ole Lukie. /

Der Frhling ist bei uns jetz eingetreten, aber auch der Winter war schn; der Sund zwischen Kopenhagen und Schweden war wie ein Landstrae; die Schweden kamm hieher zu Wagenund zum Pferde; unsre Bhne blhte mit dnischen Original-Stcken, ein Drama von Herz, die Thochter des Knig Rene hat furore gemacht, so auch ein Lustspiel die neue Wochenstube, ein Kleinigkeit der aber viel Aufsehung gemacht habe, aber wer der Dichter ist kann man nicht ausfinden. Heiberg ist mir sehr freundlich geworden, ich weis nicht recht warum, aber Alle sind mir so gut, ich rndte die hchste Anerkennung.

Davon wird man gar nicht eitel, nein, das Herz dehnt sich so aus, da man weit besser die Welt, die Freunde und Alles Schnes, Gutes, umschlingen kann. Schreiben Sie doch baldt, mein Herz klopt nach Brief und Gru; ich freue mich darauf, Sie und den Herrn v Eisendecher, den Kleinen und alle Bekannten wiederzusehen, bis da werde ich vielleich auch meinen neuen Roman vollendet haben, welcher erst auf Deutsch erscheinen wird, ich freue mich, ich bin so heiter, so glcklich, und das Glck richtet das Gemth gegen Gott, es ist ja alles eine Gabe von ihm, ich werde demthig im Glck fast ngstlich froh. /

Norddeutsche Bltter haben in der letzten Zeit recht gelungene Uebersetzungen mehrere meiner Gedichte, ich will, als ein Frhlingsstrau, hier im Briefe, ein Paar abschreiben; bringen Sie mir in freundlicher Erinnerung und mge der Sommer Sonnenschein ins Herz und Seele bringen. Erfreuen Sie mich doch Morgen oder bermorgen mit Brief, ich meine, schreiben Sie nicht spter als nach ein oder zwei Tage, denn jetz kann ich es nicht langer aushalten, ich glaube Sie sind krank oder gestorben, denn an Ihre Gte und Freundschaft zweifle ich gar nicht.

Ihr inniger ergebener H. C. Andersen.

Abenddmrung

Der Abend ist so stille, der Himmel ist so blau!

Und alle Vglein baden sich in dem milden Thau;

Sie nicken und sie trumen, 0 str' nicht ihre Lust!

Es bauen sich ja Welten selbst in die kleinste Brust.

Im Traume schwingt die Lerche sich in die frische Luft,

Was jede Blume fhlet entathmet sie in Duft.

Die Welt, die schne, weite, mit ihren Welten klein,

Und aller Himmel Himmel schlie ich im Herzen ein.

Im Auge glnzt die Thrne und lchelt doch vor Lust,

Gern drckt' ich jedes Wesen an meine frohe Brust!

Sieh', alle Sterne blinken, der Abend dmmert sacht; .

- La nur die Strme steigen, und nah'n die schwarze Nacht;

Schlaft s, und trumt ihr Vglein! - euch Blmchen netz'

der Thau,

Im Herzen ist es stille, dort ist der Himmel blau!

(uebersetzt von Zeise)

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