The Hans Christian Andersen Center

Dato: 4. juli 1843
Fra: H.C. Andersen   Til: Carolina, Lina von Eisendecher
Sprog: tysk.

Langense in Fynen d. 4 Juli 1843.

Endlich kamm Ihr lieber Brief, ich war sehr unruhig, denn ich frgtede da meine Schreiben aus Breitenburg war verloren gegangen, und Sie immer ein Brief von mir erwartete. Mein Aufenthalt in Kopenhagen dauerte nur etliche Thage, ich fuhr' nach Sor und da, bei der Dichter Ingemann im Besuch, bekamm ich Ihre liebe Brief! Die Zeit ging so schnell, Spazirfahrten, Einladung wexelte, ich hatte gar keine Zeit um zu schreiben; drei Thage gingen wie Stunden; - jetz bin ich in Fnen, beym Baron Holsteen, jetz kan ich ungesthrt an meine Freunden und Fremden denken, jetz kan ich schreiben, aber wie? Ich habe lange nicht Deutsch gesprochen, immer Dnisch, wie wird es gehen mit der Deutsch schreiben; doch Sie will es entrthseln, nicht war? /

Den 13 Juni fuhr ich ab von Breitenburg nach Kiel, der berhmte Pjanist Ernst kam grade den nehmliche Abend auch da hin, er kam aus Kopenhagen; ich mchte ihn kennen lernen, aber wie? Ich frgtede das der Geiger gar nicht meine Nahmen gehrt htte, und ich mochte nicht, als ein ganz U nbekanter, mich selbst introduciren; darum suchte ich ihm gar nicht, aber nchste Thag da ich schon war im Dampfschif und die Ketten waren los gemacht, das Schiff im Abgehen, kamm ein Fremder gelaufen und rufte mich freundlich an vom Ufer, es war Ernst; das Schiff ging schnell: gutten Thag und Lebewohl, gren Sie zu Hau! war unsere ganze Gesprch; wir kennen jetz einander ohne Begegnung auf dem nehmlichen Boden. Es kam mich vor, als ein poetischer Nachgru des lieben Deutschlands, wo man ist freundlich, und gut den fremden Snger. Mein Hertz klopfte und still hatt es gesungen Lebewohl mein zweiten Vaterland - jetz geht es gegen Norden, der kalte Norden. Es war sehr strmisch, die Wellen gingen; ich lag des Nachts krank danieder, ich konnte gar nicht aufstehen frher als am 10 Uhr nchste Morgen, da das Schiff lag vor Kopenhagen. Die Sonne scheint so warmt und milde, die Kste sehen so grn und festlich aus, ein Sohn des Conferentsrath Collin kam ambord und nach eine halbe Stunde war ich zu Hau beym Collins ! Das war eine Freude, ich fhlte mich wohl in der Heimath, wohl bey meinen warm, herzgeliebten Freunden. /

In der Stadt kam alle Leute so munter und gutmtig und begrte mich, der Thag nachher, fuhr ich auf dem Lande um die Frau Drewsen zu besuchen, die inniggeliebte Schwester; wir sprachen sehr viel von Oldenburg, von Sie; ich mute eine genaue Schilderung geben von Ihnen, Ihren Mann und das ganze Haus im Gartenstrase! Die Drewsen schtz Sie wie eine Schwester versteht das zu schtzen, das war einen geliebten Bruder gut und liebevoll. Nur sex Thage bin ich in Kopenhagen gewesen, dann fuhr ich nach Sor, das klosterstille Sor, wo der liebenswrdige Dichter Ingemann lebt. /

Hier im Waldeinsamkeit bekam ich, wie gesagt, Ihre lieben Brief, er trug mich wie ein Schwanenfittig nach das freundliche Oldenburg! mehrmahls habe ich es durchgelesen, Danck, mein innigste Danck fr al ihre schwesterliche Gtte fr mich. Drcken Sie die Hand ihres Mannes der Herzlichkeit wegen mit der er spricht von mir, ich bin gar nicht so gut, als er und die lieben Menschen da beym ersten Begegnen, mir aufgefast hatten; Sie sagen, da mein Besuch war zu kurz, ich fhle da nehmliche, aber dencke dann auch, war ich lnger geblieben, Sie und Ihren Gemahl waren warlich mde geworden von mir. Es steht mir wie ein schner Traum, ein Glanz-Punkt meines Lebens; unsere Bekanntschaft ist mir eine wahre und trostende Bewei, das ich habe Annerkennung, das ich eine wahre Dichter bin. /

0 Sie kennen nicht was ich habe gelitten wenn harte Critikken, wenn Zweifel in mein Seele entstand, da ich war nichts, gar nichts, nur ein trumende Thor. 0, ich kann es nicht so in einer fremden Sprache aussprechen! Ihre Huldigung trit neben die, welche die Studenten in Schweden mir darboten, die Serenade Schwedens junge Leute mich darbrachte; - ich fhl es wohl, ich werde berschtz im Auslande, grade so viel, wie ich werde nicht erkannt im Vaterlande. - Im Brief berren Sie ein Par Saiten des Herzes, Saiten die volltnigen klingen in meinen Gedichten, die ganze Melodie trit hervor in die Vaudeville: Scheiden und Wiedersehen, einmahl werden wohl diese Sachen ins Deutsch uebersetz, dann knnen Sie lesen; das Capittel in Bazar - nun, die Pflanze ist noch so frisch, sie mu versteinert werden, dann kann ich sie presentiren, jets noch nicht.

In Sor la ich ein Critik von Heiberg ueber mich, geschrieben da ich war im Auslande, er rhmt alle die dnischen Poeten, nur nicht mich, er sagt ungefhr ich habe keine Erfindung, (ich weis von H. selbst da er noch nicht meine Romane gelesen hat); meine Lyrik ist falsch, meine Gedanken nicht gebildet nicht klar; Alles fehl mir ein Dichter unsere Zeit zu seyn. Heibergs Wort steht in Dnemarck wie ein Stimme des Gottes, das Wort von Heiberg ist ein Siegel der Wahrheit, Sie sehen dann wie es bey ein groen Poeten stehen kann mit meinen Sachen; ich mu bs auf Ihm sein, ich kann nicht anders, denn sonst wollen alle Leute glauben das ich frgte ihn, das ich bin ein Kind; ich frchte im nicht, aber es ist mir peinlich das ich ihm b sein mu, er ist fr mich ein wahre Dichter, ich schetze Ihm.! Aber im Himmel, hoffe ich, wollen wir ueber unsere jetzige Zangen lachen, aber bis da -? Er ist kalt, eiskalt, - nicht Dichter mit Herz!

Doch nicht mehr davon, ich mu frieren wenn ich darann dencke, und jetz haben wir Sommer, schnen Sommer hier im Lande! Langense, wo ich jetz verweile, ist ein herliehe Ort; das Schlo liegt im Walde bei einen stillen Binnensee! Die Buchen und Eichen hngen mit ihren sten ins Waserspiegel wo ein Menge Schwnen schwimmen. Apropos, das Mrchen Swanenjungen ist jetz beendiget, ich schicke es nchsten an Wedderse, er hat vieleich jetz den letzte Band der Mrchen; das Buch ist so gar gekommen mit der Briefpost; sagen Sie doch ihm wie das ist zugegangen. Vorgestern fuhr ich ein Spazierfahrt nach Snoghi in Jtland, ich nahm die Paquet mit, aber das Posthaus war verschlossen, ich kam wieder hieher und gab das Buch gestern an einen Bauer, mit Ordre das er nach Odense fahren sollte und dieses auf dem Post ablievern; der dumme Kerl gab die'Paquete mit die Mrchen auf den Briefpost, es kostede sehr viel, aber nun ist es einmahl so und ich hoffe nur das Hr Wedderse noch keine Ausgabe haben soll. Grsen Sie ihm freundlich und bitten da er so bald wie mglich gibt die drei erste Erzahlungen (ins Deutsch) an den Hern Speckter in Hamburg der wie Sie wissen macht Bilder fr diese Ausgabe. Diese drei neusten Mrchen sind: Das kleine Meerweib, der Schwanenjunge und die Strche. Sagen Sie dem Kammerhern das er fr Sie und Ihre Gemahl lesen soll: die wilde Schwnen, Gnseblmchen und Paradisgarten, ich hoffe diese wollen Sie ansprechen.

Grsen Sie auch der liebenswrdige J erndorff und sagen Sie ihm, da ich mit Sehnsucht erwarte das Bild des Hauses im Gartenstrae, die Bewohnern da ihm Hause stehen wohllebendig in meinen Herz, aber ich mag auch gern ein krperlich Bild besitzen. Mayer, Kobbe, Stahr alle meine Freunde bitte.

ich sehr zu gren, vergessen Sie doch nicht die beide Damen, die war bei uns am letzten Abend in Oldenburg. - Der allerkleinste Herr im Hause, er der hat mich gut verstanden obschon ich sprach: ganz sonderbar, gre ich manchmal, aber am meisten den lieben, lieben Herrn Hofrath, ich kann mich nicht recht so ins Deutsch aussprechen, aber mein Gedancke ist in diesem Augenblich bei ihm, ich drcke seiner Hand, ich schaue ihm Auge im Auge - und wir verstehen uns! 0 grusen Sie, grsen Sie!

Sonabend gehe ich mit die Familie Holsteen nach ihre zweite Gutt: Holsteenshaus und von da nach Glorup wo der alte Graf Moltke lebt, hier habe ich Ruhe, und kan vierte Act des Ahasverus beendigen. Unser Knig und die Kniginn gehen bald nach Bregentwed im Besuch beym Finantsminister Moltke und dan nach die Seebder auf Fhr; ich bin auch eingeladet nach Bregentwed, aber ich komme erst spter, wenn der Knig und die Kniginn sind abgereist, dann verweile ich auf Bregentwed bis Mitte August &und kommt wieder nach Kopenhagen; aber Sie schreiben mir bald wieder, das Brief geht wie das letzte nach Kopenhagen an Collin. Sagen Sie Ihre Frau Mutter in Bremen wie ich sehr bedaure da ich so kurz da warr, das ich hoffe einmal wiederkommen knnen und ein langen Besuch abstaten. - Ich dancke sehr fr die zwei gedruckte Aufstze aus die Zeitungen, aber das war so viel, doch, es soll mich nicht verderben.

Lebewohl! gedenken Sie meiner! Der gute Gott im Himmel, er will es vergelten an Sie und an die Kinder, das Sie mir so gtig ist, mir so viel Sonnenschein ins Herz hineingegossen hat, Sie representirt die gute Stimmung fr mich in das liebe Deutschland! Gott segne Sie mit wahre brderliche Sinn und Gedancke

Ihr

H. C. Andersen.

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