The Hans Christian Andersen Center

Dato: 23. april 1843
Fra: H.C. Andersen   Til: Carolina, Lina von Eisendecher
Sprog: tysk.

Paris 23 April 1843.

Meine Freunde in Dnemark waren lange so saumselig im schreiben gewesen, obgleich ich von meiner Seite es nicht an Briefen hatte fehlen laen, da ich eben im Begrif war, darber ungehalten zu werden, als ich Ihren zweiten Brief voll von Sonnenschein und Herzlichkeit erhielt. Ich las ihn gleich zweimal durch und verzieh meinen trgen Freunden im Vaterlande. Alle Ungehaltenheiten war auf einmal aus meinem Herzen verschwunden. Wie freundlich sind Sie doch gegen mich! Wenn ich es recht bedenke, so kann ich mich ber die Welt nicht beklagen, da so viele gute und edle Wesen mir entgegenkommen. Empfangen Sie meiner herzlichsten Dank fr Ihre Freundschaft, so wie auch Ihr vortreflicher Gemahl, dem ich hoffentlich bald persnlich meinen Dank werde aussprechen knnen. Ihr mir sehr lieber Brief war vom 8ten April datirt kam aber erst am 19ten April in meine Hnde. /

Ich bin jetzt schon fast zwei Monate hier und habe viele intereante Bekanntschaften gemacht. Die Franzosen bezeugen mir eine Gastfreiheit und eine Zuvorkommenheit, welche mich im hchsten Grade berraschten, da ich immer geglaubt hatte, da es fr Fremde schwer sey Eingang in die hiesigen Salons zu erhalten. Was mich betrifft, so habe ich es sehr leicht gefunden, und wenn ich eine Bekanntschaft gemacht hatte, so verschafte mir diese gleich wieder eine andere, und Sie men noch bedenken da ich sehr schlecht franzsisch spreche, noch schlechter wie Deutsch; aber es konnte ja nichts helfen still zu schweigen; ich voltigirte also so gut wie ich konnte zwischen den Wrtern umher, meine Phantasie half mit Umschreibungen nach; und so versteht man mich. Es ist eine wahre Sprach-Mosaik, in welcher ich meine Gedanken kund gebe.. /

Hr Marmier, welchen ich schon frher von Dnemark her kenne, und der in der Revue de Paris meine Biographie geschrieben hat (la vie d'un poete), nimmt sich meiner sehr an; Alexander Dumas nicht weniger; - Letzterer fragte mich gleich nach meiner Ankunft ob ich Lust habe die Bekanntschaft der Dlle Rachel zu machen. Ich nahm es dankbar an und als sie das nchstemal auftrat (in Phaedra) ging ich mit ihm auf die Bhne des Theatre franais, wo man zwischen den Coulisen vermittelst einer spanischen Wand eine Art Zimmer fr sie arangirt hatte. Es waren daselbst 3 Taboureter, und die Rachel erhebt sich von dem auf welchem sie sa, in dem sie uns bat auf den beyden andern Platz zu nehmen. Sie war im Kostum der Phaedra sehr wenig gechminkt und sehr freundlich. Ich wurde im hchsten Grade berrascht durch ihr kluges und freundliches Gesicht, welches gar keine hnlichkeit hat mit allen Portrts welche ich von ihr gesehen hatte; alle diese sind hlich und ich mchte die Rachel fast schn nennen. /

Wir sprachen vom Norden, vom Kopenhagener Theater, von unserer Litteratur, welche fr sie natrlich eine terra incognita war. Endlich gab sie uns die Hand und trat als Phaedra auf die Scene. Ich kann mich noch nicht an die franzsische Weise, die Tragdie zu spielen, gewhnen. Man hrt die Verse so sehr und sieht es allen Acteurs an, da sie auf dem Cothurne einherschreiten. Aber wenn Rachel auftritt, so glaubt man, obgleich sie in demselben Rhythmus spricht, da es nur so seyn knne, und da dies die wahre Tragdie sey.

Sie ist nicht die Knstlerin, sondern die Muse der Tragdie selbst, welche des Dichters tiefste Gedanken anschaulich macht. Eiskalt berluft es mich alsdann, und es ist mir, als ob ich eine Sonambule das kund geben hre, was tief verborgen ist. Jede Rolle, in der man sie zulezt sieht, scheint einem diejenige zu seyn, welche am besten fr sie pat. 50 geht es mir wenigstens; als ich sie neulich als Maria Stuart sah, kam es mir vor, als ob dies ihre Hauptrolle sey.-

Nach der Rachel hat die Grizi als Norma den meisten Eindruck auf mich gemacht; aber ich mu gestehen, da sie die erstenmale als ich sie sah, in 5emiramis und Othello, mich nicht ganz befriedigte; die Malibran schwebte mir unendlich viel hher vor. Aber als Norma erhob die Grizi sich zu einer idealen Hhe, und ich war berwunden. Victor Hugo und Alfred de Vigni haben mir ebenfalls viele Freundschaft bezeugt, und Heine, welchen ich schon frher kannte und der einer von denen ist, die ich am hufigsten sehe. Heine meint, da der Schatz der Poesie jetzt nur im Norden verborgen liege, und da man nur ein Zauberer seyn me um ihn zu heben -; ja, wer der glckliche Zauberer seyn knnte! An Ahaswerus habe ich hier in Paris wenig gearbeitet, aber ich bilde mir ein, da es mit den geistigen Kindern ist wie mit den andern, welche wachsen whrend sie schlafen.

Am 8ten Mai verlae ich Paris. Es war meine Absicht nach Berlin zu gehen, aber da ich hre da viele meiner Freunde jetzt dort abwesend sind, so habe ich meinen Plan gendert. Ich werde, warscheinlich, von Strasburg den Rhein hinunter bis Amsterdam gehen und von da nach Breitenburg, ber 01denburg, wenn es Ihnen Vergngen macht. Mchten Sie mir wohl ungefhr am 8 Mai einige Zeilen nach Bonn, post restante schreiben und mir zugleich die Adresse Ihres Herrn Gemahls mittheilen, damit ich Sie um so schneller finden kann.

Gren Sie Ihren Gemahl und Mutter, und leben Sie recht wohl,

Ihr ergebenster

H. C. Andersen.

Das sterbende Kind

(Nach dem Dnischen des H. C. Andersen)

Mutter ich bin mde, la in deinen

Treuen Armen schlumern sanft dein Kind,

Doch versprich mir erst nicht mehr zu weinen,

Hei und brennend deine Thrnen sind!

Hier ist' s kalt und drauen Strme wehen,

Doch im Traum ist Alles licht und klar,

Engelkinder hab' ich dort gesehen,

Immer wenn mein Aug' geschlossen war!

Sieh', da steht schon ein's an meiner Seite!

Hr wie s es klingelt! Mutter sieh'

Doch die Flgel, wei und glnzend beyde,

Mutter, gab ihm unser Vater sie?

Gold und Blumen mir vor Augen schweben,

Gottes Engel streut sie um mich aus!

Sag bekomm' ich Flgel auch im Leben,

Oder erst in seinem Sternen Hau !

Warum drckst Du meine Hand zusammen?

Warum so an meine Deine Wang?

Sie ist na und brennt doch wie die Flammen!

- Bey Dir bleibe ich ja mein Leben lang!

Aber la die Thrnen nicht mehr flieen,

- Mu auch weinen wenn Du traurig bist!

Ach wie md'! -ich mu die Augen schliesen,

Mutter - sieh! - wie mich der Engel kt!

(Das Gedicht habe ich an Schule geschrieben, in Helsingr.)

Tekst fra: Se tilknyttet bibliografipost

[kladde ...overstr: hende at hun i hvert andet Huus i Kjbenhavn vilde finde sit Portrait, hun meente at det var en Smiger og at man knap kjendte hende der, ja at hun nu betragter mig, som sin enenste Ven.] vi talte nu om Kjbenhavns Theater, vor Litteatur, der dog, naturligviis er hende et terra incognita, derpaa rakte hun os Haanden og traadte, som Phdra ind paa Scenen. Jeg kan endnu ikke ret vnne til den franske Maade at spille Tragedie paa, Versene hves for meget frem og man seer paa alle Personerne at de gaaae paa Coturner. Dog naar Rachel trder frem, saa troer man, uagtet hun spiller i samme Rytmus, at det kun kan vre saaledes, at dette er den sande Tragedie, hun bliver mig ikke Kjd af mit Kjd, men dog er det Natur, det er den tragiske Musa selv som som aabenbarer sig og legemliggjr hvad hun lod Digteren synge; iiskoldt risler det een ned af Ryggen; som saae vi en Sonambule der udtalte vore dybeste Flelser. Den Rolle man sidst seer hende i synes man passer bedst for hende, saaledes gaaer det i det mindste mig og da jeg sidste saae hende, som Maria Stuart forekommer hun mig meest fuldkomment meest ......lig her. - Efter Rachel har Grizis Fremstilling af Norma meest opfyldt / mig; jeg maa da sige, at de frste Gange jeg hrte hende og det baade i Semiramis og Otello var hun mig ikke nok, Malibran [overstr: havde aabnet] foresvvende mig langt langt herligere en[d] i Norma, hvede Grizi sig op til dette mit Ideal, og jeg var overvundet. [overstr: Af litteraire Bekjendtskaber jeg ellers har] Victor Hugo og Alfred de Vigni have viist mig megen Venlighed og Heine, som jeg alt kjende [tidligere har lrt at kjende er een af de helst besger! han troer at Poesiens Skat nu alene findes oppe i Norden og at Magerne der maa sge og hve den! ja hvo der kun var den lykkelige Mager! - Paa Ahasverus har jeg ikke faaet meget skrevet her i Paris, men jeg troer om de aandelige Brn, som man siger om de legemlige at de voxe medens de sove. - [overstr: Men nu har jeg jo allerede skrevet Dem vist alt ] Den 8 Mai forlader jeg Paris, det var min Hensigt at gaae til Berlin, men jeg hrer at flere af mine Venner der ere borte, hvorledes bliver altsaa Reisen hjemad - jeg troer fra Stratsburg hele Rhinen op, maaske til Amsterdam og da - kan det fornie dem, over Oldenburg til Breitenburg; vil De sende Post restante et Brev til Bonn fr den 9de og deri sige mig Deres mands Tittel, eller hvorledes jeg finder den samt om De i Slutningen af Mai er i Oldenburg, - Lev vel! - /

Tekst fra: Solveig Brunholm (mikrofilm 43: 64, 66, 65)