The Hans Christian Andersen Center

Dato: 30. april 1835
Fra: H.C. Andersen   Til: Karl Gottlieb Theodor Winkler
Sprog: tysk.

Kopenhagen 30/4 35.

Lieber Herr Hofrath

Erinnern Sie noch einen jungen dnischen Schriftsteller, Andersen, der im verwichenen Sommer auf seiner Heimkehr vonItalien mit einen Empfehlungs Schreiben von der Frau von Weisenthurm Sie besuchte? Sie empfingen mich mit so viel Herzlichkeit, da ich recht gern htte lnger bei Ihnen bleiben wollen. Ich sende Ihnen eine dramatische Arbeit "Agnete og Havmanden" (Agnete und der Meermann); gnnen Sie ihr einen Platz unter den Bchern, die Sie von Ihren Freunden empfangen haben, und wenn Sie darauf hinblicken, denken Sie freundlichen den dnischen Dichter; bald werden Sie mich wieder hren, und, wie ich hoffe, beer verstehen. Ich habe in der Heimath einen Roman: der Improvisator, vollendet, schon i [in] Rom begann ich daran; Italiens Natur und Volksleben habe ich wieder gegeben. In diesen Tagen ist das Buch [overstr: ich] erscheinen und hat viel Aufmerksamkeit erwirkt; keine meiner frheren Arbeiten scheint die verschiedensten Gemther so angesprochen zu haben. Der Nowellendichter Kruse arbeitet schon an einer deutschen Uebersetzung, die im Laufe der nchsten Monats hoffentlich erscheinen wird. So viel mir bekannt, will er den Namen verndern, weil er glaubt, da der Titel "der Improvisator" dem Volke zu einfach sei; allein meinen Namen werden Sie immer auf dem Tittel erkennen. Der dnische Kritiker sagt, da ich in diesem Buch mich als naturalisierten Sdlnder gezeigt haben; mchten Sie daelbe von mir sagen, wenn Sie es gelesen haben. Ich bin sehr begierig zu erfahren ob das Buch im groen Deutschland bemerket wird; die Ehre ist die Nachtigalle, die Begeisterung in mein Herz hineinsingt. Whrend Alle, die berhaupt hier in Dnemark lesen, gewi mein Buch lesen, whrend sie mich Alle mit Lob berschtten, hat [!] ich in Honorar fr die ganze Arbeit nur 180 dnisch Thaler c: circa 22 Louis d'ors. Darum greife ich nach der Ehre, den andern und eigentlich dem schnsten Gold-Vogel. Fr die Bhne habe / ich vor Kurzem eine Opera: Kenilworth, geschrieben, die unser erste Komponist, der Professor Weyse in Musik setzt, wie auch ein kleines Drama: "Liden Kirsten"; beide sind zur Auffhrung auf dem koniglichen Theater angenommen. Ich arbeite recht fleiig, und was eigentlich nicht mein Natur ist, ich wnsche reich zu werden, das heit ein Paar hundert Louisdors erhalten, um wieder ber die Alpen fliegen zu knnen; nach der blauen Luft, den bildschnen Menschen und den heiligen Trmmern. Ich liebe den Sden, ich liebe Italien mit der ganzen Innigkeit meiner Jugend; gewi komme ich nicht mehr dahin, im Norden, im kalten, dunklen Norden mu ich sterben. Das darf ich nicht hier zu Hause aussprechen, alle meine Freunde schelten auf mein Sehnsucht nach einem Ort, der nicht mein Vaterland ist. Wie ein schauer Traum steht meine ganze Reise vor mir, und unter den vielen lieben Bildern, zeigt sich unser kurzes Zusammentreffen in Dresden. Gedenken Sie meiner mmit Freundlichkeit.

Ihr herzlich ergebener

H.C. Andersen

P.S.

Gren Sie vielmahls den liebenwrdige Tiedge und bringen Sie ihm ein Exemplar von Agnete

[udskrift:]

An dem Herrn Hoffrath Winchler (Theodor Hell) in Dresden.

Tekst fra: Solveig Brunholm (LP 47, billed 6240-42)