The Hans Christian Andersen Center

Dato: 2. juni 1874
Fra: H.C. Andersen   Til: Carl Alexander
Sprog: tysk.

169 Andersen an Carl Alexander

Holsteinborg bei Skjelskr . Dnemark . 2 Juni 1874.

Eure Knigliche Hoheit

haben mir wieder groe Freude durch Ihren gndigen gesegneten Brief vergnnt. Siegel und Aufschrift leuchteter mir gleich entgegen als schne Erinnerungen von frheren Zeiten. Mehr mals habe ich den Brief durch gelesen, das Portrait-Bild angeschaut, es hat seinen Platz auf meinem Schreibtisch; eine frhere Photographi Eurer Kniglichen Hoheit ist noch immer in meiner Stube. Beim Empfang des Briefes war ich sehr leidend, und es war mir schwer da Schreiben; ich wute auch da Eure Koniglichen Hoheit nach Holland gegangen waren, aber jetzt hoffe ich Sie sind wieder zurck in Weimar oder auf den waldreichen Ettersburg. Ich bin schon acht Tage auf dem Lande bei unseren Konseillerpresident Graf Holstein; er und seine edle, liebe Familie sind mir stets so theilnehmend und gut; eben in meiner lange Krankheit habe ich es in tiefer Dankbarkeit empfunden. Hier bin ich wie bei Verwanten, habe Alles was Reichthum und Herzensgte geben kann. Die Lage Holsteinborgs ist sehr schn, mit einem groen Garten und Wlder am Meere; die Luft ist sehr heilsam und ich fhle mich unendlich wohler als frher, / kann allein herumgehen, die Schmerzen der Leber sind beinahe verschwunden und es scheint, die Krfte kehren tglich wieder. Mehr als achtzehn Monaten bin ich krank gewesen, habe gar nichts in der langen Zeit geschrieben, das letzte war ein kleines Band Mrchen, unter diesen die groe Seeschlange, es ist der Telegraphtoug (soll heien: Telegraphzug) zwischen Europa und Amerika; das Bchlein ist auch in Deutsch, in Bremen erschienen, aber eine grere Erzhlung "Glcks Peter" kam vor drei Jahren in die Welt und ist mit groer Theilnahme und Anerkennung im Inland und Ausland empfangen. Eure Koniglichen Hoheit erlauben mir Ihnen dieses kleine Buch zu berreichen. Wagners Musik leuchtet wie ein Sonnnenstrahl in das Leben meinen Halts hinein. Unsere neue, groe Theater ist jetzt beinahe fertig, es soll gefnet werden im September, mit Holbergs die Wochenstube, und eine neues Ballet von Bournonville. Kopenhagen wchst immer mehr und schner heran; sehr viel Fremden kommen hieher, und die Badehaser bei Klampenborg und Marielyst sind immer besetzt, am meisten von deutschen Familien.

Vor einen Monath, Eure Konigliche Hoheit haben mglicher weise davon in den Zeitungen gelesen, kam ein junger Deutscher, Gnther, Ingenieur aus Hanover hieher, er / hatte gehrt von die Sehenswrdigkeiten Kopenhagens. Schon den zweiten Abend ging er (eingefgt: er)

auf "Langelinie", unsere schnste Lustpromenade bei Kopenhagen, das alte Bastey mit tiefen Graben liegt neben dabei; da hrt er Hilfruffe, ein kleiner Knabe ist in das tiefe, moorige Wasser gefallen, Gnther wirft augenblicklich sein Ueberrock, springt ins Wasser, er greif das Kind, es wird gerettet aber er, der edle Retter, sinkt und stirbt. Es machte eine tiefe Theilnahme in der ganze Stadt. Sein Bruder kam hieher zum Begrbni, diese wurde in hchste Grad rhrend und groartig, denn des jungen Deutschers edlen That hatte alle Leute tief ergriffen. Mehr als drei tausend Menschen von alle Klassen, Arme und Reiche, haben sein Sarg begleitet; die verschiedenen Korporationen, der preusischen Gesandt von Heydebrant, der Kavalier des Knigs und der Kavalier des Kronprinz, im kniglichen Wagen, haben ihm gefolgt; und heraus, und am Grabe, wrde von blasenden Instrumenten die Psalmen begleitet; der Polizeidirec(t)eur legte im Namen des Knigs die Rettungs Medallie auf Gnthers Sarg und unsere deutsche Prediger Schmaltz hielt in Deutsch eine ergreifende Rede am Grabe; nach ihm sprach der dnische Prediger in dnisch. Die Beamten von den Eisenbahnen trugen den Sarg, und jetzt wird auf das Grab ein Monument ereicht, dem edlen Deutscher der mit seinem Leben ein dnisches Kind gerettet hat. Welch schnes Tod fr Gnther! Gott segne sein edler That. Leider war ich nicht bei / der Beerdigung, ich konnte nicht wegen meiner Krankheit.

Darf ich hoffen mein hoher, edler Groherzog mi(ch) in gndiger Erinnerung bei der knigliche Hoheit die Groherzoginn und die groherzogliche Kinder zu bringen. Gott segne und erfreue das frstlic(he) hohe Haus und beware mich in gndigster Erinnerung.

Mit treuer Dankbarkeit und Ehrfurcht H.C. Andersen.

Tekst fra: Ivy York Mller-Christensen