The Hans Christian Andersen Center

Dato: 20. april 1874
Fra: H.C. Andersen   Til: Carl Alexander
Sprog: tysk.

167 Andersen an Carl Alexander

Kopenhagen 20 April 1874.

Ihre Knigliche Hoheit

haben mich durch Ihre liebe theilnehmende Depeche eine unendliche Freude bereitet! Sie haben mich noch in so freundlichen und gndigen Andenken behalten als in frheren, unvergelichen Tagen, das sehe ich. Wenn auch viele wechselnde und verhngnivollen Jahren zwischen damals und jetz liegen, treu und dankbar lebt in meinem Herzen das Andenken Ihrer hohen Gnade und der Herzensgte, welche Ihre Knigliche Hoheit und die ganze Groherzogliche Familie mir vergnt. Groe und erfolgreiche Begebenheiten gingen durch die Lnder, Gott hat es so gewollt, - ich schrieb Ihnen nicht; das eine Jahr folgte dem andern, und als ich recht vom Herzen wnschte Ihnen einen Brief zu schiken, wute ich nicht recht ob ich ein Briefwechsel erneuren durfte, der mich einst so glcklich machte, aber jetz habe ich vernommen, da ich es kann und darf. Ich habe viele Fragen zu machen und Vieles mitzutheilen. Dunkle Gewitterwolken und herlicher Sonnenschein haben (eingefgt: haben) in meinem Leben gewechselt, doch ich will vom Sonnenschein sprechen. Der liebe Gott ist mir unendlich gtig gewesen, hat mir ein Glck beschieden von dem ich als Kind / nicht (eingefgt: nicht) trumen drfte. Meine Schriften, besonders die Mrchen, sind in der ganzen Welt verbreitet, und berall wohl aufgenommen; meine Geburtsstadt Odense, wo ich einst als armer Knabe wanderte, hat mir vor einigen Jahren die Ehre erzeigt mich zu "Ehrenbrger" der Stadt zu ernennen. Bis vor etwa 18 Monaten erfreute ich mich in einer langen Reihe von Jahren einer guten Gesundheit, dann erkrankte ich, die Leber und die Nerven waren stark angegriffen, man erwartete meinen Tod, indessen beerte sich meine Zustand allmlig, aber sehr langsam. Selbst diese Tage der Prfung ware eine Segen fr mich, ich vernahm dann recht wie viele theilnehmende Freunde ich in allen Klaen besa, von den hchsten bis den niedrigsten. Mir wurde die sorgsamste Pflege und Liebe zu Theil. Unser liebenswrdiger Kronprinz beehrte mich ein par mal mit seinem persnlichen Besuche, ja selbst Seine Majestt der Knig war so uendlich freundlich mich zwei mal zu besuchen. Die Aerzte schickten mich nach Glion um dort die Molkenkur zu gebrauchen; mit Beschwerlichkeit erreichte ich voriges Jahr dahin zu kommen, und ich erholte mich etwas, aber auf der Heimreise bekam ich einen Rckfall, und erreichte im August in jmmerlichen Zustande Kopenhagen, wo ich bei treuen Freunden auf dem Lande gut gepflegt wurde. Diesen ganzen Winter habe ich fortwhrend gekrnkelt, kann nicht zu Krften kommen, bin nicht frei von Schmer/zen in der Leber, und habe von der Gicht geplagt viel Beschwerde die Treppen zu steigen; ich kan mich somit nicht frei bei meinen Freunden bewegen, nicht ins Theater gehen, wo ich sonst frher beinahe jeden Abend zubrachte. Doch mu ich mich freuen und dankbar seyn, da es nicht schlimmer ist, und die Aerzte trsten mich damit, da ich hoffentlich im Laufe des Sommer mich gnzlich erholen werde. Zu meinem Geburtstage, den zweiten April d J wurde mir von meinen herzensguten gndigen Knige die Ehre zu Theil zu Konferenzrath ernannt zu werden, einen Titel der fr mich eine besondere Bedeutung hat indem er auch ehlenschlger, Thorwaldsen und rsted ertheilt wurde.

Meine Schriften verschaffen mir groe Freuden, berall begegne mir herzliche theilnehmende Menschen. Oft frage ich, im Innersten tief bewegt, warum vergnnt der liebe Gott gerade mir so viel Glck! Wo Alles gegeben wird kann man nicht stolz werden, man verbeugt sich demthig, dankbar. Wie viel Sonnenschein habe ich doch gehabt, ein solcher leuchtete wieder fr mich (eingefgt: mich), in dem mir von Ihrer Knigliche Hoheit gesandtes Telegram der edle Groherzog von Weimar bezeugt mir seine Theilnahme und Herzensgut wie von jeher. Ich bin jetzt in mein siebenzigstes Lebensjahre eingetreten, dies ist ja, der Bibel nach, das gewhnlich lngste Lebensalter fr uns Menschen, viele Jahre habe ich wenigsten nicht zurck, aber es ist mein innigsten Wunsch, da es mir (eingefgt: mir) in diesem noch einmal vergnnt seyn mchte, gesund und wohl Weimar wiederzusehen, mit Ihre Knigliche Hoheit / mit die Groherzoginn und die edlen, theuren Kinder zu sprechen. Ich habe keine Plne fr diesem Sommer ich habe Furcht mich auf die Reise zu begeben, mein Arzt mu fr mich entscheiden. Habe ich das Glck meine Gesundheit wieder zu gewinnen dann will ich mich mit Freude der Hofnung hingeben mich noch ein mal in diesem Leben Ihrer Kniglichen Hoheit vorzustellen. Mit innigsten Dankbarkeit und tiefster Ehrfurcht H.C. Andersen.

Tekst fra: Ivy York Mller-Christensen