The Hans Christian Andersen Center

Dato: 4. december 1862
Fra: H.C. Andersen   Til: Gustav Adolf Amberger
Sprog: tysk.

Toledo, 4. Dezember 1862.

Dem Maler

Wohlgeboren Herrn Amberger in Basel

Ble en Suisse.

Lieber Freund!

Seit wir uns in Interlaken begegneten, habe ich Vieles, Schnes und Interessantes gesehen. Oft habe ich an Sie gedacht, und da Sie es wissen mgen, schreibe ich heute. Aus der Schweitz ging ich in Frankreich hinein und bei Perpignan ber die Pyrenen. In Barcelona verweilte ich zehn Tagen. Die Stadt ist ein spanisches Paris, schne Lden, schne Frauen, Musik und Gesang. Vor meiner Abreise erlebte ich eine furchtbare Ueberscbwemmung. Einer der Flss brach in die Stadt hinein. Das Wasser stieg bis [an] die Fensterscheiben. Wagen: Tonnen, Melonen kamen auf dem Strohm getrieben, mehrere Menschen sind ertrunken. Es war eine Noth, ein Jammer. Valenzia liegt wie brkannt in einem wahren Obstgarten. Alles glht und blht, die Palmen wehen; aber mich hat die Umgebung nicht so entzckt wie andere Fremden. Nein, nach Murzia, mu man fahren! Ich kam ber Alicante dahin, einen furchtbaren schlechten Weg, aber wie wundervoll war dort die Natur. Ich fuhr durch einen ungeheuer ausgedehnten Palmenwald. Die Granat-Aepfeln glheten im dunkeln Grnen. Aloen und Kakteen standen klafterhoch und bildeten eine Wildni. Die Menschen sind dort so schn, so malerisch gekleidet, man glaubt sich in der Orient. Aus Murcia uber Cartagena, kam ich mit dem Dampschiff Non plus ultra nach Malaga und verlebte dort bei meinen liebenswrdigen Freunden 14 schne Tagen. Der protestantische Kirchhof dort ist eine Ruhesttte, wo man immer gern verweilen mchte. Die Palmen wehen, die Verandas sind mit Passionsblumen [besetzt], Rosen und Myrten blhen und duften und vor uns liegt das ewig rollende Mittelmeer. In Granada blieb ich 16 Tagen. Die Kniginn von Spanien war eben dort. Die Stadt glnzte in Pracht und Glanz, Lampen, bunte Lanternen, Freudes-Feuer, alles festlich und schn. Es war wie ein buntes Mrchenblat aus Tausend und einer Nacht. Leider wurde dort Collin krank und ich auch. Es waren darum einige trbe Tage fr uns. Auch hatte ich dort ein Verlust von einer kostbaren goldenen Kette. Aber Granada bleibt doch eine wundervolle Stadt. Und die Freude und Jubel dort, die Festlichkeiten gab der Stadt einen besondern Glanz. Alhambra ist ein Aladdins Schlo. Die Steine sind in Spitzen verwandelt. Gold und Farben glhen wie Kaleidoskop-Bilder. Wieder kehrte ich nach Malaga und von dort nach Gibraltar. Hier fand ich, einen Brief von dem englischen Minister in Marokko, der mich auf das freundlichste einlud, wenn ich und Collin, nach Afrika kmen, bei ihm in Tanger zu wohnen. Acht mrchenhaft schne Tagen verlebten wir dort, theilweise auf seiner schnen Villa am Atlanticmeer, theilweise in der Stadt. Alles war neu und interessant, die Mauren, die Juden, das eigenthmliche Leben. Wir sahen beladene Kamele aus dem Innern des Landes. Wir hrten des Nachts die Schakalen heulen. Die Heide blhete mit Myrten. Die Bamhusrohre und Zwergpalmen wachsen wild. Wills Gott, schreibe ich etwas ber diesen Besuch, die Blume der ganzen Reise, und ich schicke es Ihnen. Ans Tanger kam ich nach Cadiz, eine nette, hbsche, aber langweilige Stad. Doch Sevilla mu ich rhmen, hier sind maurische Feste wie bei Granada. Als ein golden es ausgeschnittenes Bild steht hier der schne Alcazar. Der Dom ist erstaunend schn. Acht Tage bin ich in das heitere Sevilla geblieben. Cordova hat nur seine Kirche und eine recht interessante Umgebung zu zeigen. Die Reise von dort nach Madrid dauerte 22 Stunden hider Diligence und 10 Stunden auf der Eisenbahn. In Madrid war vollkommen Winter, Schnee des Morgens, Regen und immer Regen den ganzen Tag. Jetzt bin ich in Toledo. Dessen Lage ist hchst malerisch. Hier sind Bilder fr ein Maler! Nach einigen Tagen gehe ich nach Madrid und Mitte Januar bin ich in Sdfrankreich. Dort in Bordeaux, poste restante, erwarte ich Briefe von meinen Freunden. Wie schn wenn ich auch einen Brief dort von Ihnen empfing. Ich hoffe, Sie sind gesund und heiter, arbeiten auf etwas Schnes und sind glcklich dabei. Gren Sie herzlich die Frau Mutter, so auch die Frau Doctorin, den groen Carl, und Jeden, der mich freundlich erinnern mge. Sie wissen, da ich nicht correct deutsch schreiben knnen. Es ist ein groes Vertrauen an Sie, da ich Ihnen einen solchen Brief, wie dieses schlecht geschriebenes gebe. Aber das Geschriebene ist nur fr Sie und keinen Fremden; Gott segne und fre Sie, edler Freund.

Ihr treu ergebener

H. C. Andersen.

Dem Freunde

dem Maler Amberger in Basel.

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